CFTC befreit Krypto-Entwickler von der Broker-Pflicht

Die CFTC verzichtet per No-Action-Brief auf Enforcement gegen nicht-verwahrende Krypto-Software-Entwickler. Was die Regel bringt und wo ihr Haken liegt.

CFTC befreit Krypto-Entwickler von der Broker-Pflicht

Die Behörde handelt, wo der Kongress blockiert

Die US-Derivateaufsicht CFTC hat am Donnerstag einen No-Action-Brief veröffentlicht: Die Market Participants Division werde nicht auf Enforcement drängen, wenn nicht-verwahrende Software-Entwickler sich nicht als Introducing Broker registrieren. Bedingung sind bestimmte Offenlegungen und interne Richtlinien. Der Schritt weitet eine im März erteilte Einzelausnahme für den Wallet-Anbieter Phantom auf die gesamte Branche aus. Aus einer maßgeschneiderten Ausnahme wird damit eine Blaupause, an der andere Anbieter ihre Produkte ausrichten können.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Nur Stunden zuvor hatte die SEC ihre lang erwartete Innovation Exemption für den Onchain-Handel tokenisierter Aktien vorgelegt. Beide Behörden ziehen ihre eigenen Agenden durch, nachdem der Senat am 15. September in einer Verfahrensabstimmung den CLARITY Act nicht vorangebracht hatte. Das umfassende Krypto-Gesetz bleibt vorerst blockiert.

Was der Brief konkret erlaubt

Betroffen ist Software, die Nutzer an registrierte Futures Commission Merchants, Introducing Broker und Designated Contract Markets anbindet, ohne selbst Kundengelder zu halten oder über Trades zu entscheiden. Genau diese Konstellation galt bisher als registrierungspflichtig, sobald Gebühren flossen. Eine Fußnote deutet an, die Ausnahme könne über reine Krypto-Software hinausreichen.

Die Branche reagierte deutlich. Ryan VanGrack, Vice Chair bei Coinbase, sprach von der ersten spürbaren Erleichterung nach Jahren des Stillstands; die Wende sei da. Phantom-CEO Brandon Millman nannte die Öffnung einen Gewinn für die gesamte Industrie: regulierte Partner plus nicht-verwahrende Software erweiterten den sicheren Marktzugang.

Der Haken: kein Gesetz, nur Duldung

Ein No-Action-Brief ist Duldung auf Widerruf. Eine künftige Kommission kann ihn jederzeit zurücknehmen; die Rechtssicherheit eines Gesetzes ersetzt er nicht. CFTC-Chef Michael Selig hatte im Mai angedeutet, die Phantom-Regel in verbindliches Rulemaking zu überführen. Passiert ist das bis heute nicht. Eine Quelle aus der Industrie formuliert es nüchtern: Je mehr Entwickler im Rahmen operierten, desto schwerer lasse sich die Duldung später wieder herausreißen.

Für den Markt zählt die Richtung. Regulatorischer Rückenwind für DeFi- und Derivate-Frontends senkt die Einstiegshürde für neue Handelsprodukte und stützt vor allem Solana-nahe Infrastruktur, in deren Umfeld Phantom sitzt. Der kurzfristige Preiseffekt bleibt gering: Bitcoin notiert weiter um 76.000 Dollar, der Katalysator ist struktureller Natur. Das stärkere Signal liegt in Onchain-Volumen und Builder-Aktivität, nicht in den Kerzen dieser Woche.