Deutsche Inflation 3,3 %: Was das für Euro und EZB heißt

Energie treibt die Teuerung auf 3,3 Prozent, die US-Kern-PCE fällt auf 3,0 Prozent. Was die Zinsdifferenz für den Euro bedeutet.

Deutsche Inflation 3,3 %: Was das für Euro und EZB heißt

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands Teuerungsrate springt im September auf 3,3 Prozent (Erwartung: 3,1 Prozent).
  • Ohne Energie und Nahrung liegt sie nur bei 2,4 Prozent, Energie selbst bei plus 14,9 Prozent.
  • Die US-Kern-PCE rutscht dagegen auf 3,0 Prozent, teils wegen neuer Berechnung.

Zwei Inflationszahlen, ein Tag, zwei Richtungen: Während die Preise in Deutschland schneller steigen als gedacht, meldet die US-Statistik Entlastung. Für den Euro-Dollar-Kurs und die Notenbanken ist dieser Kontrast wichtiger als jede Einzelzahl.

Berlin gegen Washington

Das Statistische Bundesamt nennt für September 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im August. Kurz zuvor hatte der Markt 3,1 Prozent erwartet. Claudio Kummerfeld führt bei Finanzmarktwelt den Anstieg auf die Energie zurück: Der Iran-Krieg hält Öl und Gas teuer, der Energiepreisindex steht 14,9 Prozent über Vorjahr, im August waren es 10,5 Prozent.

Ganz anders die USA. Die von der Fed bevorzugte PCE-Kernrate stieg im August nur um 0,2 Prozent zum Vormonat; im Jahresvergleich sind es 3,0 Prozent statt der prognostizierten 3,3 Prozent. Insgesamt sank die Rate von 3,7 auf 3,4 Prozent. Markus Fugmann erinnert bei Finanzmarktwelt daran, dass ein Teil davon aus der überarbeiteten Methodik des Bureau of Economic Analysis stammt, die den Wert um einige Zehntel senkt. Dass die Zinsen nach der Veröffentlichung höher standen als vorher, liest er als Misstrauen des Marktes.

Zwei Sorten Inflation, zwei Sorten Sorgen

In Deutschland klaffen Gesamtrate (3,3 Prozent) und Kernrate (2,4 Prozent) fast einen Prozentpunkt auseinander. Lebensmittel legen nur um 0,4 Prozent zu, Dienstleistungen um 2,7 Prozent. Das spricht für einen Kostenschock von außen statt einer überhitzten Nachfrage. Höhere Zinsen bremsen Nachfrage, aber keinen Ölpreis – eine Zwickmühle für die EZB.

In den USA geht es um Straffung. Die Fed hob Mitte September nach drei Jahren um 0,25 Prozentpunkte an. Für den 28. Oktober sah das CME-FedWatch-Tool laut Finanzmarktwelt zuletzt 70,3 Prozent Wahrscheinlichkeit für den nächsten Schritt, bevor die Daten dieser Woche kamen.

Die Termine für Devisenhändler

Am Freitag stehen die US-Arbeitsmarktdaten an. Ökonomen rechnen mit etwa 90.000 neuen Stellen und 4,1 Prozent Arbeitslosigkeit. Ein starker Bericht würde die Zinserwartungen stützen und damit den Dollar, was EUR/USD belasten dürfte. Schwächelt der Arbeitsmarkt, verlöre die Fed-Straffung an Rückhalt.

Bei der EZB entscheidet sich, ob sie den Energieschub als vorübergehend behandelt. Bleiben Öl und Gas hoch, rückt die Kernrate in den Blick und damit die Zinsdifferenz, die den Euro trägt.