Galaxy: Ethereum und Solana drosseln die Token-Inflation

Galaxy Research zeigt, wie EIP-8361 Ethereums Staking-Rendite halbiert und Solanas SIMD-0550 die Inflation drückt — mit einem Zeithorizont bis 2028.

Galaxy: Ethereum und Solana drosseln die Token-Inflation

Der Emissions-Hebel rückt ins Zentrum

Galaxy Research hat die Debatte um Token-Inflation aus der Entwickler-Nische in den Investoren-Fokus gezogen. Der Report stellt nebeneinander, wie Ethereum und Solana ihre jährliche Neuausgabe an Coins senken wollen. Beide führenden Proof-of-Stake-Netzwerke suchen dieselbe Balance: Das Anreiz-Budget muss hoch genug bleiben, um die Sicherheit der Kette zu finanzieren, und niedrig genug, um den Verwässerungsdruck auf den Token-Preis zu begrenzen. Genau dieser Zielkonflikt entscheidet, wie werthaltig ein Coin auf Sicht von Jahren ist.

Ethereum: EIP-8361 halbiert die Rendite

Auf der Ethereum-Seite steht der Vorschlag EIP-8361, intern "Tapered Issuance Burn" genannt. Er verbrennt einen wachsenden Anteil der Validator-Belohnungen, je mehr ETH insgesamt gestaked ist. Laut Galaxy könnte die Rendite auf Consensus-Layer-Ebene dadurch auf rund 1,2 Prozent fallen: etwa die Hälfte dessen, was Validatoren heute fürs Sichern des Netzwerks erhalten. Die volle Wirkung entfalte der Mechanismus allerdings erst 2028. Wie stark er ausfällt, hängt direkt an der Staking-Quote: Je mehr ETH im Netzwerk gebunden ist, desto aggressiver greift der Burn. Für Staker bedeutet das einen schrumpfenden Zinsvorteil, lange bevor die knappere Emission den Kurs spürbar stützt.

Solana: mechanisch weiter, im Prozess gebremst

Solana ist konkreter im Zeitplan. SIMD-0550 würde die jährliche Disinflationsrate von 15 auf 30 Prozent verdoppeln und den Zeitpunkt, an dem SOL seine finale Inflationsrate erreicht, von 2032 auf 2029 vorziehen. Ergänzend soll SIMD-0553 die Transaktionsgebühren an den Rechenaufwand koppeln und vollständig verbrennen. Der Haken sitzt in der Governance: Galaxy rechnet damit, dass 2026 keine Inflationssenkung durch die Abstimmung kommt. Der jüngste Anlauf, SIMD-0411, dürfte ohne Votum zurückgezogen werden.

Was das für den Markt bedeutet

Die Signalwirkung ist strukturell, nicht kurstreibend. Weniger neue Coins pro Jahr senken den permanenten Verkaufsdruck aus den Staking-Rewards und werten ETH wie SOL gegenüber rein inflationären Altcoins auf. Der Zeithorizont bleibt jedoch lang: 2028 für Ethereums vollen Effekt, frühestens 2027 für eine Solana-Reform, die 2026 noch scheitert. Wer auf ein Angebots-Squeeze setzt, kauft eine These über mehrere Jahre, keinen Katalysator fürs nächste Quartal. Die härtere Frage lautet, ob sinkende Staking-Renditen Kapital aus den Validator-Pools treiben, bevor die Knappheit überhaupt greift. Bei einer Consensus-Rendite von 1,2 Prozent konkurriert Ethereum plötzlich mit kurzlaufenden US-Staatsanleihen und verliert diesen Vergleich beim aktuellen Zinsniveau klar.