Kospi-Crash: Warnsignal für die KI-Rally am S&P 500
Kospi minus 40 Prozent im Juni: Kredit, Konzentration und Zinsen bedrohen auch die Wall Street. Was Anleger jetzt beachten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Seouls Leitindex verlor im Juni über 40 Prozent – getrieben von geliehenem Geld.
- Auch am US-Markt stehen hohe Kredite und zehn Schwergewichte mit rund 40 Prozent Indexgewicht.
- Die Börse feiert die PCE-Zahlen, der Anleihemarkt und Gold bleiben skeptisch.
Zinsen, Schulden und eine einzige Wachstumsstory: Diese Kombination hat Südkoreas Börse im Sommer in die Knie gezwungen. Am Mittwoch jubelt die Wall Street über weichere Inflationsdaten, doch die Frage bleibt, ob dem S&P 500 ein ähnliches Muster droht.
Der Zinspunkt zuerst
Was löste den Einbruch in Seoul aus? Nach Darstellung von Bravos Research, die Stefan Jäger bei Finanzmarktwelt aufgreift, war es keine zerbrochene KI-Geschichte, sondern die Finanzierung. Sobald Leitzinsen steigen, wird jede Position auf Kredit teurer. Ausländische Profis räumten ihre Bestände, heimische Anleger mit hohem Schuldenstand gerieten unter Druck. Gute Gewinne allein tragen einen Markt dann nicht mehr.
Die Zahlen dazu: Im Juni stürzte der Kospi binnen Tagen um mehr als 40 Prozent ab, vor allem wegen Samsung und SK Hynix, die Speicherchips für KI-Rechenzentren liefern. Ausländische Institutionelle verkauften im August Papiere für etwa 7,3 Milliarden Dollar – der siebte Nettoverkaufsmonat in Serie. Die Wertpapierkredite kletterten seit 2020 von unter zehn auf nahezu 40 Billionen Won.
Wie ein Hebel zur Lawine wird
Der Mechanismus ist simpel. Steigen die Kurse, multiplizieren Schulden den Ertrag. Sinken sie, verlangt der Broker per Margin Call mehr Sicherheiten. Wer nicht zahlen kann, muss Aktien verkaufen, was die Kurse weiter drückt und neue Forderungen auslöst. Aus einem Rücksetzer wird so eine Kettenreaktion.
Übertragbar auf New York?
Bravos Research beziffert die US-Wertpapierkredite auf rund 1,4 Billionen Dollar, hinzu kommen Optionen und gehebelte ETFs. Die zehn größten Werte machen ungefähr 40 Prozent des S&P 500 aus, viele hängen am KI-Thema. Mehr Zinserhöhungen der Fed könnten diese Bauweise testen.
Das Muster ist nicht neu: Vor der Dotcom-Blase und vor dem Bärenmarkt 2022 rutschte der Kospi früher ab als die US-Indizes. Einen verlässlichen Zeitplan leitet die Analyse daraus nicht ab. Der US-Trend gilt weiter als intakt, die wichtigen Durchschnittslinien zeigen überwiegend nach oben.
Der Mittwoch: Rally mit Fragezeichen
Die Kern-PCE für August kam mit 3,0 Prozent zum Vorjahr niedriger als die erwarteten 3,3 Prozent; Aktien und Futures zogen an. Markus Fugmann verweist bei Finanzmarktwelt allerdings auf eine neue Methodik für drei Komponenten, darunter Arbeitsspeicher und Portfoliomanagement, die den Jahreswert drücke. Gegen Abend notierten die Zinsen über dem Niveau vor der Veröffentlichung und Gold darunter. Die Anleihe- und Metallmärkte kaufen die Entlastung also nicht ab.
Was Anleger daraus machen
Der Kospi ist kein Countdown, sondern ein Frühwarnsystem. Drei Dinge lohnen den Blick: Wachsen die Kreditvolumina weiter? Verbreitert sich die Rally über die zehn Schwergewichte hinaus? Und wie reagieren die Renditen auf die nächsten Signale der Fed? Fällt die Finanzierung weg, reichen starke Quartalszahlen womöglich nicht mehr.