Krypto-Steuer 2028: Deutschland kippt die Haltefrist

Ab 2028 will Deutschland Krypto-Gewinne mit 26,375 Prozent besteuern, die einjährige Haltefrist entfällt. Bestandsschutz nur für Coins bis Ende 2026.

Krypto-Steuer 2028: Deutschland kippt die Haltefrist

Der Sonderstatus fällt

Deutschland verliert seinen steuerlichen Krypto-Vorteil. Das Bundesfinanzministerium plane, Gewinne aus Bitcoin, Ether und anderen Tauschkryptowerten künftig wie Kapitalerträge zu behandeln: 26,375 Prozent Abgeltungsteuer samt Solidaritätszuschlag, fällig unabhängig von der Haltedauer. Damit fällt die zwölfmonatige Haltefrist, nach der ein Verkauf bislang steuerfrei blieb. Der Sonderstatus, der Coins von Aktien und Fondsanteilen abhob, verschwindet.

Der Zeitplan trennt Alt und Neu

Über die Steuerlast entscheidet das Kaufdatum. Coins, die bis zum 31. Dezember 2026 erworben werden, bleiben in der alten Welt: ein Jahr halten, dann steuerfrei verkaufen. Alles, was ab 2027 ins Wallet wandert, fällt unter das neue Regime. Tritt das Gesetz wie geplant zum 1. Januar 2027 in Kraft, wird die erste Abgabe zum 1. Januar 2028 fällig. Von 2028 an sollen die Anbieter die Steuer automatisch einbehalten, so wie Broker es bei Aktiengewinnen tun. Die Übergangsfrist gibt den Plattformen Zeit für die technische Umsetzung.

Der Bestandsschutz setzt den Anreiz

Für Anleger liegt die Botschaft im Erwerbsdatum. Der Bestandsschutz belohnt, wer vor 2027 kauft und hält: Diese Bestände behalten die steuerfreie Tür. Wer 2027 oder später einsteigt, rechnet ab dem ersten Euro Gewinn mit dem Fiskus. Das dürfte die Nachfrage vorziehen: Deutsche Halter haben ein handfestes Motiv, bis Ende 2026 zu akkumulieren, bevor der Vorteil erlischt. Auf den globalen Kurs wirkt eine deutsche Binnensteuer wenig, auf die Nachsteuer-Rendite deutscher Depots wirkt sie deutlich. Wer traded statt hält, spürt kaum eine Änderung: Kurzfristige Gewinne sind schon heute voll steuerpflichtig. Getroffen wird der langfristige Halter, dessen kostenloser Ausstieg nach zwölf Monaten wegfällt.

Rechnung des Staates

Das Ministerium rechne mit 160 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr 2028 und bis zu 350 Millionen bis 2031. Gemessen am Haushalt ist das ein kleiner Posten. Der eigentliche Hebel ist struktureller Natur: Deutschland gleicht Krypto an Aktien an und beendet eine Ausnahme, die den Standort für langfristige Halter attraktiv machte. Noch ist es ein Plan, kein Gesetz: Der Entwurf muss durch Kabinett und Parlament, und Details können sich verschieben. Wer disponiert, tut es auf Basis eines Referentenstands, nicht auf Basis geltenden Rechts. Offen bleibt zudem, wie Staking-Erträge, DeFi-Positionen und Wallet-zu-Wallet-Transfers unter dem automatischen Steuerabzug behandelt werden. Bis der Wortlaut steht, ist die einzige belastbare Handlung die Kalenderfrage: vor oder nach dem Jahreswechsel 2026/27.