Ölpreis fällt: Teheran-Gespräche und Aramco-Lieferungen
Brent gibt nach: Friedensgespräche in Teheran, Gewinnmitnahmen und zusätzliche Aramco-Ladungen für Europa belasten den Ölpreis.
Das Wichtigste in Kürze
- Brent gibt zum Wochenstart nach, weil Friedensgespräche in Teheran und Gewinnmitnahmen den Ölpreis drücken.
- Saudi Aramco bietet Europas Raffinerien zusätzliches Rohöl mit Preisabschlag an, die Exporte erholen sich.
- Das Momentum von Brent ist kurzfristig bärisch, auf Tages- und Wochensicht aber weiter bullisch.
Der Ölmarkt dreht am Dienstag defensiv. Brent notierte laut OilPrice.com am Morgen bei 114,85 US-Dollar je Barrel, WTI bei 100,87 US-Dollar. Beide Sorten lagen damit klar unter dem Niveau der Vorwoche, als Brent noch über 117 Dollar stand. Gleichzeitig meldet Saudi-Arabien eine Rückkehr zu mehr Normalität bei den Lieferungen nach Europa.
Diplomatie und Gewinnmitnahmen drücken die Preise
Auslöser des Rückgangs sind zwei Dinge. Erstens reisten Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan nach Teheran, um über ein Ende der Feindseligkeiten zu sprechen. Zweitens nutzten Händler die mehrmonatigen Höchststände, um Gewinne mitzunehmen. Die Analystin Sugandha Sachdeva beschreibt die Bewegung laut OilPrice.com als klassische Gewinnmitnahme.
Die Risiken bleiben allerdings greifbar. Die Huthi greifen weiter saudische Energieanlagen an, und iranische Angriffe auf Tanker nahe der Straße von Hormus halten die Versicherungsprämien hoch. Ein CNN-Bericht, den OilPrice.com aufgreift, nennt zudem ein mögliches US-Zeitfenster von 96 Stunden für einen Angriff auf Iran nach einem Befehl von Präsident Donald Trump. Der Autor hält eine rasche Friedenslösung deshalb für wenig wahrscheinlich.
Im Tagesverlauf rutschte Brent in unserer Aufnahme auf rund 109,62 US-Dollar. Die Internationale Energieagentur warnt in dieser Woche, dass die Störung der Energieversorgung bis ins nächste Jahr anhalten dürfte.
Aramco öffnet das Ventil nach Europa
Parallel zeigt sich bei den physischen Lieferungen Entspannung. Wie OilPrice.com unter Berufung auf Bloomberg berichtet, bietet Saudi Aramco europäischen Raffinerien zusätzliche Ladungen für Oktober und November an. Späte Oktober-Partien gehen demnach unter dem offiziellen Verkaufspreis (Official Selling Price, OSP) weg. Verladen wird ab Yanbu am Roten Meer oder Sidi Kerir an der ägyptischen Mittelmeerküste.
Bemerkenswert ist der Kontrast zum Vormonat: Erst vor wenigen Wochen hatte Aramco seinen Kunden mitgeteilt, dass im Oktober keine Vertragsmengen fließen. Ein Angriff hatte die Ost-West-Pipeline lahmgelegt, die inzwischen wieder läuft. Für November sollen die Raffinerien ihre volle Vertragsmenge erhalten.
Saudi-Arabien liefert normalerweise 700.000 bis 800.000 Barrel pro Tag nach Europa. Die Förderung stieg im September um rund ein Drittel auf über 8 Millionen Barrel pro Tag, nachdem sie im August auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten gefallen war. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate fördern laut IEA auf Rekordniveau, und die irakischen Ausfuhren nähern sich dem Vorkriegsniveau.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert für Brent ein gemischtes Bild. Auf Stunden- und Vier-Stunden-Sicht steht es bärisch, auf Tagessicht und im Wochenbild bullisch. Der Rücksetzer passt damit zu einer Gegenbewegung innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends, nicht zu einem bestätigten Trendbruch.