World Liberty: OCC-Banklizenz für Trumps USD1-Stablecoin
Die OCC erteilt World Liberty Trust eine bedingte Banklizenz. Trumps Krypto-Firma könnte USD1 künftig selbst emittieren — Demokraten protestieren.
Die Lizenz
Die US-Bankenaufsicht OCC hat World Liberty Trust am Freitag eine bedingte nationale Trust-Banklizenz erteilt, festgehalten in Corporate Decision #1385. Der Antragsteller ist kein gewöhnliches Fintech: World Liberty Financial wurde von Donald Trump und seinen drei Söhnen mitgegründet, eine Trump-nahe Gesellschaft hält rund 38 Prozent. Damit rückt zum ersten Mal ein Krypto-Vehikel mit direktem Draht zum amtierenden Präsidenten ins regulierte Bankwesen.
Was die Lizenz verändert
Der Kern ist der Stablecoin USD1. Bisher liegen Ausgabe, Einlösung und Verwahrung allein bei BitGo, einer in South Dakota lizenzierten Trust-Gesellschaft. Mit eigener Banklizenz kann World Liberty diese Funktionen ins eigene Haus holen: Emission und Custody wandern vom Dienstleister zum Emittenten. Für einen Stablecoin ist das der entscheidende Hebel. Wer die Reserven selbst verwahrt, kassiert die Zinserträge auf die hinterlegten Geldmarktfonds direkt — bei einem Umlauf von zuletzt über 4,5 Milliarden Dollar ist das eine ernste Ertragsquelle. USD1 wuchs im ersten Quartal 2026 um rund 50 Prozent und war damit der am schnellsten wachsende der großen Dollar-Token.
Der Haken im Kleingedruckten
„Bedingt“ ist hier das Schlüsselwort. Die OCC behält sich vor, die Zusage zu ändern, auszusetzen oder zurückzunehmen; die volle Betriebserlaubnis nach 12 USC 27(a) kommt erst, wenn alle Vorlaufbedingungen erfüllt sind. Bis dahin bleibt BitGo im Amt. Der Charter ist ein Startschuss, kein fertiges Bankgeschäft.
Die politische Rechnung
Der Interessenkonflikt schreibt sich von selbst: Eine Behörde der Exekutive genehmigt ein Finanzinstitut, dessen Erträge überwiegend der Familie des Präsidenten zufließen. Demokratische Abgeordnete laufen Sturm und bringen einen Gesetzentwurf in Stellung, der Krypto-Beteiligungen amtierender Präsidenten einhegen soll. Für den Markt zählt zunächst das Signal: Nach Circles OCC-Trust-Charter im Juli bekommt das Modell „Stablecoin-Emittent wird Bank“ seinen zweiten prominenten Präzedenzfall. Der regulatorische Pfad steht. Ob er politisch hält, ist die offene Frage.