21 Banken planen eigenen Stablecoin gegen USDT und USDC

Bank of America, Citi und Goldman gründen mit 18 weiteren Instituten eine Firma für einen Dollar-Stablecoin. Circle-Aktie fällt 6 Prozent. Start 2027.

21 Banken planen eigenen Stablecoin gegen USDT und USDC

Die Wall Street macht ernst. 21 Banken und Vermögensverwalter haben sich am 1. September darauf verständigt, gemeinsam eine Firma für einen dollargedeckten Stablecoin zu gründen. An Bord sind keine Randfiguren: Bank of America, Citi, Goldman Sachs, Wells Fargo und Fidelity aus Nordamerika, dazu Deutsche Bank, Commerzbank, UBS, Santander, BBVA und Crédit Agricole aus Europa. Der Start ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, die Schließungsbedingungen stehen noch aus.

Der Angriff zielt auf Tether und Circle

Der Markt für Stablecoins liegt laut DefiLlama bei 310,4 Milliarden Dollar. Tethers USDT hält davon 183,3 Milliarden oder 59 Prozent, Circles USDC kommt auf 73,8 Milliarden oder 24 Prozent. Zwei Anbieter teilen also über vier Fünftel des Marktes unter sich auf. Genau diese Dominanz nehmen die Banken ins Visier.

Ihr Vorteil liegt nicht in der Technik: Einen voll gedeckten Token zu prägen ist kein Hexenwerk. Er liegt in der Distribution. Die Konsortialbanken bringen Millionen Firmen- und Privatkunden, funktionierende Compliance-Systeme und den direkten Zugang zum Zahlungsverkehr mit. Tether und Circle mussten sich diese Reichweite über Jahre erkämpfen. Die Banken haben sie längst.

Warum die Circle-Aktie einbricht

Die Reaktion war eindeutig: Circles Aktie fiel nach der Ankündigung um rund 6 Prozent und schnitt damit schlechter ab als das übrige Krypto-Umfeld. Der Grund liegt offen. Circle verdient an der Zinsdifferenz auf die USDC-Reserven. Treten regulierte Großbanken mit eigenem Token an, schrumpft der adressierbare Markt für den Erstanbieter. Tether ist als Privatunternehmen weniger transparent bewertet, dürfte aber denselben Druck spüren.

Noch ist vieles offen

Ausgerechnet die entscheidenden Details fehlen: Name der Firma, Name des Tokens, Blockchain, Reserve-Verwahrer, Governance und Rücknahmebedingungen sind nicht bekannt. Die nächste Etappe sei die formale Struktur des Unternehmens noch im Jahr 2026, heißt es aus dem Konsortium. Ein Euro-Token solle folgen, danach weitere G7-Währungen.

Für Trader zählt die Richtung, nicht der Fahrplan. Der Stablecoin-Markt kippt von zwei dominanten Emittenten hin zu einem Feld, in dem die traditionelle Finanzwelt mitspielt. Das drückt langfristig die Margen der Erstanbieter und verschiebt die Frage von "ob" zu "wer". Kurzfristig bleibt USDT die Liquiditätsschiene der Börsen. Wer Circle über die Aktie spielt, muss die 2027er-Konkurrenz jetzt einpreisen.