61.000 BTC: London wendet chinesisches Recht an

Der High Court in London wendet auf Ansprüche an 61.000 beschlagnahmten BTC chinesisches Recht an. Was das für Opfer und den Staat bedeutet.

61.000 BTC: London wendet chinesisches Recht an

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Londoner Richter wendet auf Opferansprüche chinesisches statt englisches Recht an.
  • Betroffen sind rund 61.000 BTC, etwa 5 Milliarden US-Dollar.
  • Der britische Staat hat bessere Aussichten, einen Teil der Coins zu behalten.

Wer eine Beschlagnahme verhindern will, braucht ein Eigentumsrecht. Genau an dieser Stelle hat der High Court in London die Lage der Betrugsopfer von Zhimin Qian verschlechtert: Am Montag legte Richter Mark Turner fest, dass chinesisches Recht gilt. Der Staat rückt damit näher an rund 61.000 BTC heran.

Ein Schneeballsystem aus China, Bitcoin in London

Die Vorgeschichte beginnt in China. Zwischen 2014 und 2017 sammelte Qians Firma Tianjin Lantian Gerui Geld ein und versprach laut BTC-ECHO bis zu 300 Prozent Rendite. Das Urteil zählt nach Decrypt mindestens 128.409 Anlageverträge. Eingezahlt wurden rund 40,2 Milliarden Yuan, etwa 4,1 Milliarden Pfund, und davon flossen 34,1 Milliarden Yuan an einen Teil der Anleger zurück.

Qian wandelte Beute in Bitcoin um und floh nach Großbritannien. Die Ermittler sicherten dort 61.000 BTC. Im November 2025 erhielt sie wegen Geldwäsche elf Jahre und acht Monate Haft. Zu Prozessbeginn waren die Coins nach Decrypt rund 7 Milliarden Dollar wert, bei etwa 83.200 Dollar je BTC sind es nun rund 5 Milliarden.

Warum ein Kollisionsrecht Milliarden verschiebt

Die Opfer hatten gehofft, dass englisches Recht gilt, denn dann hätten sie die Coins leichter als ihr Eigentum beanspruchen können. Turner sah das anders und stützte sich auf den Ort des Geschehens. Die Anleger zahlten in China, die Verträge entstanden dort, und auch der Schaden trat dort ein. Er kam auf mehreren Wegen zum selben Ergebnis. Dass die Bitcoin in England aufgespürt wurden, ändert daran nichts, weil in China verlorene Rechte so nicht zurückkehren.

Für die Geschädigten bedeutet das eine zusätzliche Hürde. Sie müssen belegen, dass sie nach chinesischem Recht einen Anspruch haben, der außerdem die britischen Anforderungen an eine Herausgabe erfüllt. Scheitern viele daran, fällt ein erheblicher Teil der Coins womöglich an den Staat.

Noch kein Endurteil

Der Besitzer der Bitcoin steht damit nicht fest. Wie chinesisches Recht konkret anzuwenden ist, bleibt einer späteren Anhörung vorbehalten, wie die Staatsanwaltschaft betont. Die Kanzlei Fieldfisher, die Kläger vertritt, will laut Financial Times in Berufung gehen. Die Anklagebehörde hatte außerdem auf ein Entschädigungsprogramm von China aus verwiesen.

Dazu kommt eine politische Note: Laut Financial Times erwogen Beamte des Finanzministeriums intern, ob die Coins Haushaltslöcher stopfen könnten. Was der Staat tatsächlich plant, nennen die Quellen nicht.

Was sagt das Momentum?

Bitcoin stand bei der Aufnahme am Morgen des 14. Oktober bei 83.610 US-Dollar. Das Momentum signalisiert im Stundenchart (1h) und im Vier-Stunden-Chart (4h) einen bullischen Zustand, im Tageschart (1D) einen neutralen, im Wochenchart (1W) wieder einen bullischen. Kurz- und mittelfristig steht damit Rückenwind im Raum, am Tag fehlt die klare Richtung. Eine Reaktion auf das Londoner Urteil lässt sich daraus nicht ableiten.