SEFE muss Gas einlagern: 8 TWh gegen die Winterlücke
Berlin weist SEFE an, bis 15. Dezember 8 TWh Gas einzuspeichern. Deutsche Speicher nur zu 57 % gefüllt – was das für Preise bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland lässt den Staatskonzern SEFE 8 Terawattstunden Gas für den Winter beschaffen, Frist ist der 15. Dezember.
- Mit rund 57 Prozent sind die heimischen Speicher deutlich leerer als im Vorjahr, EU-weit sind es 71 Prozent.
- Europäisches Erdgas für November kostet nach der Entscheidung wieder mehr als 70 Euro je Megawattstunde.
Der Winter kommt, und die Tanks sind halb leer. Genau deshalb schaltet sich in Berlin nun der Staat ein, nachdem er monatelang auf den Markt gesetzt hatte. Der Auftrag an SEFE ist klein, aber er markiert einen Kurswechsel in der deutschen Energiepolitik.
Hormus bremst das Flüssiggas, Europa zahlt den Preis
Ausgangspunkt ist die Lage am Golf. Seit rund sieben Monaten fließt kaum Flüssiggas durch die Straße von Hormus, wie OilPrice.com festhält. Finanzmarktwelt beziffert den Ausfall auf etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels. Europa muss sich seine Ladungen deshalb gegen andere Abnehmer sichern, und das hat Folgen: Die Gaspreise liegen laut OilPrice.com auf dem höchsten Niveau seit Januar 2023 und mehr als doppelt über dem Vorjahreswert.
Für Speicherbetreiber war das im Sommer ein Dilemma. Wer bei solchen Preisen einkauft, trägt das Risiko, dass das Gas im Winter nicht mehr gewinnbringend zu verkaufen ist. Also hielten sich viele zurück, und die Füllstände blieben niedrig.
Wie groß die Lücke wirklich ist
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Deutschlands Speicher, nach Angaben von OilPrice.com die viertgrößten der Welt, sind zu 57,74 Prozent gefüllt, wie Finanzmarktwelt berichtet. Vor einem Jahr stand dieselbe Kennzahl um 19 Prozentpunkte höher. Im EU-Schnitt meldet Gas Infrastructure Europe für den 29. September 71 Prozent. Zur gleichen Zeit 2025 und im Fünfjahresmittel waren es jeweils mehr als 80 Prozent.
Gegen diesen Rückstand wirkt der Auftrag bescheiden. Etwa 3 Prozent der deutschen Speicherkapazität lassen sich mit 8 Terawattstunden füllen. Zum Vergleich: In der Krise 2022 griff der Staat deutlich kräftiger zu. Der Effekt liegt also eher in der Symbolik. Berlin räumt ein, dass es ohne staatliche Hilfe knapp werden könnte.
Berlin räumt seine Linie ab
Bis vor Kurzem lautete die offizielle Haltung, die Versorgung sei nicht gefährdet und Forderungen nach einem Eingriff gingen ins Leere. Das Handelsblatt berichtete als Erstes über die Anweisung, Bloomberg zufolge bestätigte SEFE sie am 30. September selbst. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagt, die vorbereiteten Instrumente seien jetzt nötig geworden, Kanzler Friedrich Merz stehe dahinter.
Parallel erwägt die Regierung laut einer Reuters-Quelle, einen bestehenden Marktanreiz auszubauen, damit Händler wieder mehr einlagern. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen mahnte schon vorher zur Vorsicht und sprach von wachsenden Risiken bei Versorgung und Preisen. Im Nahen Osten ist keine Entspannung absehbar.
Was sagt das Momentum?
Die Aufnahme zeigt den US-Erdgas-Kontrakt, der zuletzt bei rund 2,96 US-Dollar notierte, nicht den europäischen Preis. Das Momentum signalisiert auf 1h und 4h ein bearishes Bild, auf 1D ein bullishes, auf 1W ein neutrales. Kurzfristig überwiegt also der Verkaufsdruck, im Tagesbild bleibt die Richtung nach oben intakt. Die europäische Knappheit schlägt im US-Preis offenbar kaum durch.
Szenarien
Wenn Hormus weiter gesperrt bleibt und die Speicher nur schleppend aufholen, dürfte der europäische Novemberkontrakt die Marke von 70 Euro je Megawattstunde in den kommenden Wochen eher verteidigen als aufgeben.
Wenn sich der Flüssiggasfluss schneller erholt als gedacht, schrumpft der Risikoaufschlag, und der SEFE-Auftrag erwiese sich im Nachhinein als reine Vorsicht. Anzeichen dafür nennen die Quellen bislang nicht.
Wenn weitere Länder dem deutschen Beispiel folgen und staatlich einkaufen, verschärft sich der Kampf um dieselben Ladungen. Ankündigungen dazu liegen bisher nicht vor.