Bitcoin: Inflationspop verpufft, Renditen bremsen
Bitcoin fällt nach PCE-Sprung auf 85.500 US-Dollar zurück: Die 30-jährige US-Rendite steigt auf 5,62 Prozent, Bitwise sieht Entkopplung von Aktien.
Das Wichtigste in Kürze
- Bitcoin pendelt zwischen 85.500 und 83.700 US-Dollar, nachdem die Inflation überraschend abkühlt.
- Die 30-jährige US-Rendite markiert mit 5,62 Prozent ein Hoch seit 2002.
- Bitwise: Bitcoin und S&P 500 laufen so unabhängig wie seit 2015 nicht mehr.
Dieser Donnerstag zeigt, wie wenig eine einzelne Datenüberraschung gegen den Anleihemarkt ausrichtet. Bitcoin (BTC) schoss nach den Daten kurz auf etwa 85.500 US-Dollar und gab den Gewinn bis zum Morgen fast vollständig ab. Bei rund 83.700 US-Dollar startet der Handel in den Oktober.
Wenn die Anleihen den Takt vorgeben
Der Reihe nach: Die US-Teuerung nach dem PCE-Index, dem Lieblingsmaß der Fed, fiel im August mit 3,4 Prozent deutlich milder aus als die von Ökonomen erwarteten 3,7 Prozent. Ohne Energie und Nahrung stand 3,0 statt 3,3 Prozent im Raum. Der Markt reagierte prompt, und Bitcoin kletterte binnen Minuten um gut zwei Prozent von etwa 83.700 auf über 85.400 US-Dollar, wie BTC-ECHO festhält.
Das Gegengewicht kommt vom langen Ende der Zinskurve. CoinDesk-Autor Shaurya Malwa verweist darauf, dass zehnjährige Treasuries bei etwa 5,28 Prozent notieren und die 30-jährigen mit 5,62 Prozent so hoch rentieren wie zuletzt 2002. Solange diese Marken stehen, so die Lesart, fehlt dem Kryptomarkt die Luft für einen Ausbruch. Bei den größeren Werten ging es uneinheitlich zu: Hyperliquid (HYPE) legte etwa drei Prozent auf 89 US-Dollar zu, Dogecoin (DOGE) rund zwei Prozent, Solana (SOL) verlor ein Prozent auf 119 US-Dollar.
Auch die Zinsfantasie hat Grenzen. Die Chance auf eine Oktober-Anhebung, laut CME FedWatch zuvor bei 72,5 Prozent, sackte nach den Zahlen ab. BTC-ECHO gibt jedoch zu bedenken, dass die geänderte Berechnungsmethode einen Teil des Rückgangs erklären dürfte. Wer aus der Zahl eine Wende ableitet, liest womöglich zu viel hinein.
Ein Coin, der sich vom Aktienmarkt abnabelt
Spannender als das Tagesgeschehen ist die Struktur dahinter. André Dragosch, der bei Bitwise die Forschung in Europa leitet, beobachtet laut BTC-ECHO die schwächste Kopplung von Bitcoin an den S&P 500 seit 2015. Aktien richten sich nach seiner Einschätzung nach dem Wachstum, Bitcoin dagegen eher nach dem Dollar. Gleichzeitig steigt der Gleichlauf mit Gold auf ein Sechsjahreshoch, ein Hinweis auf die Rolle als Inflationsschutz.
Die institutionelle Seite wirkt stabil. Bitwise befragte 15 große Adressen, und keine davon baute in den jüngsten Rücksetzern Krypto ab. Üblich sind Anteile von ein bis zwei Prozent am Portfolio. Auf Basis eines Modells, das den Coin an die weltweite Geldmenge bindet, nennt Bitwise einen Fairwert von etwa 197.000 US-Dollar, rund das Doppelte des damaligen Kurses um 84.000 US-Dollar. Das bleibt eine Modellrechnung, keine Kursansage.
Was sagt das Momentum?
Zum Aufnahmezeitpunkt notierte Bitcoin bei 84.297 US-Dollar. Das Momentum signalisiert im 1-Stunden-Zeitrahmen einen bärischen Zustand und im 4-Stunden-Zeitrahmen einen neutralen. Im Tages- und im Wochenzeitrahmen steht es bullisch. Kurzfristig dominiert also die Abkühlung nach dem Inflationssprung, der größere Rahmen zeigt weiter nach oben.
Szenarien
Wenn die 30-jährige Rendite über 5,62 Prozent hinaus steigt, bleibt der Gegenwind bestehen, und die 83.700 US-Dollar vom Morgen geraten erneut unter Druck.
Wenn die Renditen am langen Ende nachgeben, wie es CoinDesk als Voraussetzung nennt, rückt das Zwischenhoch bei 85.500 US-Dollar wieder in Reichweite.
Wenn der Dollar den Kurs treibt, wie Bitwise vermutet, entscheiden die nächsten Inflations- und Zinsdaten, nicht die Aktienbörse.