Bitcoin scheitert bei 81.000 Dollar: ETF-Schub verpufft
Bitcoin sprang Freitag auf 81.271 Dollar, den höchsten Stand seit Mai. Bis Samstag fiel der Kurs auf 76.657 Dollar zurück. Was hinter dem Rückfall steckt.
Der Sprung
Am Freitagmorgen notierte Bitcoin bei 81.271 Dollar: 5,1 Prozent über dem Vortagsschluss und der höchste Eröffnungskurs seit dem 12. Mai. Auslöser war ein Zufluss in die US-Spot-ETFs, den Yahoo Finance als größten seit neun Monaten beziffert. Den Anstoß gab Fed-Gouverneur Chris Waller: Er wolle den Inflationsbericht der kommenden Woche abwarten, bevor er über den Zinsschritt im September entscheide. Der Markt las das als Signal für eine Pause und kaufte.
Ethereum lief mit. Zur Eröffnung standen 2.508 Dollar auf der Tafel, ein Plus von 4,9 Prozent. Die gesamte Kryptomarktkapitalisierung stieg laut CoinGecko um 4,9 Prozent auf 2,82 Billionen Dollar, das Angst-und-Gier-Barometer kletterte auf 74 Punkte. Auf Monatssicht steht Bitcoin damit rund 28 Prozent im Plus, Ethereum sogar 35 Prozent: Die Sommer-Erholung ist real, der Freitag war ihr vorläufiger Höhepunkt.
Der Rückfall
Der Schub hielt keine 24 Stunden. Bis Samstag, 1:30 Uhr UTC, fiel Bitcoin auf 76.657 Dollar, ein Minus von 1,6 Prozent auf Tagessicht. Ethereum gab um 2 Prozent auf 2.455 Dollar nach. Die Marktkapitalisierung schrumpfte um 1,3 Prozent auf 2,78 Billionen Dollar, das Handelsvolumen lag bei 98,5 Milliarden Dollar. Der Ausbruch über 81.000 Dollar ist damit bereits wieder kassiert.
Auffällig ist die Ruhe darunter. Die Stablecoin-Kapitalisierung legte um 0,2 Prozent auf 291,2 Milliarden Dollar zu, während der DeFi-Sektor 1,8 Prozent verlor. Kapital floh also nicht aus dem System, es rotierte in die Deckung. Das Angst-und-Gier-Barometer sank nur von 74 auf 73 Punkte. Vor einem Monat stand es bei 25.
Was das für Trader heißt
Die Episode zeigt, worauf diese Rallye gebaut ist: auf ETF-Nachfrage und der Zinshoffnung, nicht auf einem breiten Fundament. Bemerkenswert ist die Kehrtwende bei den Flüssen. Dieselben Fonds, die den September noch mit 135 Millionen Dollar Abfluss eröffnet hatten, verbuchten binnen Tagen ihren stärksten Zufluss seit neun Monaten. Institutionelles Geld dreht schnell, und es dreht auf Zins-Signale.
Waller hat die Tür für eine Pause geöffnet, geschlossen ist sie nicht. Der Inflationsbericht der kommenden Woche setzt die Richtung. Bleibt die Teuerung hartnäckig, verliert die Zins-Wette ihre Grundlage und der Kurs seinen Treibstoff. Kurzfristig zählt die Marke von 81.000 Dollar als Widerstand, den der Markt beim ersten Versuch nicht halten konnte. Solange Bitcoin darunter notiert, bleibt der Ausbruch unbestätigt. Nach unten liegt die psychologische Zone bei 76.000 Dollar, die jetzt getestet wird. Die intakte Stimmung im Gier-Bereich spricht gegen Panik, die verpuffte Tagesbewegung gegen jede Euphorie.