Brent fällt: Energie-Waffenstillstand bremst Ölpreis

Brent gibt nach Trumps Energie-Waffenstillstand 1,6 % nach, doch Nahost-Risiken und unbestätigte Zusagen halten den Ölmarkt nervös.

Brent fällt: Energie-Waffenstillstand bremst Ölpreis

Das Wichtigste in Kürze

  • Brent-Öl fällt nach Trumps Ankündigung eines Energie-Waffenstillstands um rund 1,6 Prozent auf etwa 103 Dollar.
  • Die Zusage ist unbestätigt, im Nahen Osten eskaliert die Lage weiter.
  • Das Momentum steht auf Tagesbasis neutral, auf Wochenbasis weiter bullish.

Wer am Montag auf billigeres Öl gesetzt hat, bekommt bisher nur einen kleinen Rabatt. Brent notiert bei rund 103 Dollar je Fass, etwa 1,6 Prozent tiefer, schreibt Finanzmarktwelt. Im Hintergrund steht eine politische Ansage, deren Umsetzung niemand belegen kann.

Sieben Dollar in vier Tagen: Der Trend zeigt nach oben

Zuerst der Kontext, denn er relativiert den Rückgang. Brent lag seit dem Dienstag der Vorwoche unter 98 Dollar und kletterte bis auf 104,71 Dollar, also um rund 7 Dollar in vier Handelstagen. Claudio Kummerfeld spricht bei Finanzmarktwelt von einem sehr instabilen Markt mit Wellenbewegung, deren Richtung aber aufwärts weist.

Treiber ist der Konflikt am Golf. Der Iran attackiert mehr und mehr Tanker, während viele Schiffe die Straße von Hormus dennoch mit US-Eskorte durchqueren. Dazu kommt der Anschlag der Huthis auf den Flughafen von Riad mit 12 Toten, auf den Saudi-Arabien bereits mit einer Offensive gegen die Rebellen reagiert hatte. Die Lager der Verbraucherländer sind nach den großen Lieferungen stark abgeschmolzen. Neue Ausfälle träfen also einen Markt ohne Reserve.

Was der Preis auf einen Post hin einpreist

Der Rücksetzer geht auf zwei Äußerungen Donald Trumps zurück. Die erste: Auf Truth Social verkündete er einen Waffenstillstand für Energieanlagen zwischen Russland und der Ukraine, den beide Seiten akzeptiert hätten. Nach Darstellung von Stefan Jäger war Präsident Selenskyj davon überrascht, und kurz darauf soll Russland ein Kraftwerk bei Charkiw getroffen haben.

Die zweite: Putin habe eingewilligt, umgehend 300.000 Tonnen Diesel zu liefern, im November 500.000 Tonnen und anschließend eine Million. Kummerfeld verweist auf die BBC und mahnt zur Skepsis. Sollte es klappen, sänken vor allem die Diesel-Futures. Zugleich bekäme Moskau Luft, Raffinerien zu reparieren und binnen Wochen bis Monaten mehr Treibstoff auszuführen.

Die Wirkung reicht über Öl hinaus. Gold stieg auf rund 4.217 Dollar, auch weil niedrigere Ölpreise den Inflationsdruck dämpfen und Zinserhöhungen der Fed weniger wahrscheinlich machen könnten. Die US-Inflationszahlen vom Mittwoch dürften zeigen, ob dieser Zusammenhang trägt.

Was sagt das Momentum?

Unsere Aufnahme von Brent-Öl vom 12. Oktober bei 105,53 Dollar zeigt ein gemischtes Bild. Das Momentum signalisiert auf der Stundenbasis (1h) und auf 4 Stunden (4h) bullish, auf Tagesbasis (1D) neutral und auf Wochenbasis (1W) bullish. Der kurze Rücksetzer hat die übergeordnete Aufwärtsstruktur damit nicht gedreht; die Tagesebene hat sich aber abgekühlt.

Szenarien

Wenn der Energie-Waffenstillstand hält und Russland tatsächlich Diesel liefert, bekommt der Rückgang unter die Marke von 103 Dollar Spielraum, weil Raffinerie- und Exportmengen zurückkehren könnten. Ein Rutsch Richtung 98 Dollar, dem Ausgangsniveau der Vorwoche, wäre dann denkbar.

Wenn die Zusagen verpuffen oder der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthis weiter eskaliert, rückt das Hoch bei 104,71 Dollar wieder in Reichweite. Ein Tanker-Angriff in der Straße von Hormus würde diesen Pfad beschleunigen.

Wenn die US-Inflationsdaten am Mittwoch heiß ausfallen, stützt das Dollar und Renditen und kann Rohstoffpreise insgesamt belasten. Das gilt für Gold stärker als für Öl, dessen Preis vor allem an Angebotsmeldungen hängt.