Brent über 100 Dollar: Huthi-Angriffe und Sturm im Golf

Brent steigt wieder über 100 US-Dollar: Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und ein Sturm im Golf von Mexiko belasten das Ölangebot.

Brent über 100 Dollar: Huthi-Angriffe und Sturm im Golf

Das Wichtigste in Kürze

  • Brent steigt wieder über 100 US-Dollar, nachdem Huthi-Angriffe Saudi-Arabien treffen.
  • Ein Tropensturm im Golf von Mexiko bedroht Förderung und Raffinerien an der US-Küste.
  • Die Fördermengen aus dem Persischen Golf erholen sich, doch das Risiko bleibt.

Brent notiert am Mittwoch bei rund 101,5 US-Dollar je Barrel, WTI bei 90,14 US-Dollar. Die Preise hatten am Dienstag nachgegeben, drehten aber nach neuen Berichten über Angriffe auf saudische Energieanlagen. Zugleich evakuieren Ölkonzerne im Golf von Mexiko Personal vor einem aufziehenden Sturm.

Huthi-Angriffe lassen Brent über die 100er-Marke springen

Auslöser der Wende sind Meldungen über neue Attacken der Huthi auf Saudi-Arabien. Laut OilPrice.com bestätigte die saudische Luftfahrtbehörde Angriffe auf zwei Flughäfen, darunter den in Jazan. Dort steht eine Aramco-Raffinerie mit 400.000 Barrel Tageskapazität. Am Wochenende hatten die Huthi zudem einen Schlag gegen eine Aramco-Anlage in Riad für sich reklamiert; die saudisch geführte Koalition nannte die Darstellung irreführend.

Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman hielt dagegen: Über die Ost-West-Pipeline fließen demnach wieder 5,8 Millionen Barrel am Tag. Die Leitung ist Riads Umgehungsroute für die Straße von Hormus. Das Verladen im Rotmeer-Hafen Yanbu läuft nach einer Reparaturpause wieder an.

Parallel startete die international anerkannte Regierung des Jemen eine Offensive gegen die Huthi. Die Rebellen kontrollieren den Großteil der Westküste am Bab el-Mandeb, dem Nadelöhr zwischen Rotem Meer und Golf von Aden. Weichen Tanker deshalb über Suez, das Mittelmeer und das Kap der Guten Hoffnung aus, verlängert sich die Lieferzeit saudischen Rohöls nach Asien laut OilPrice.com um etwa einen Monat.

Sturm im Golf von Mexiko kommt als zweite Störung dazu

Chevron zieht nach Angaben von OilPrice.com unter Berufung auf Reuters nicht benötigtes Personal von allen Plattformen im Golf von Mexiko ab. Auch Shell räumt sechs Offshore-Plattformen teilweise, BP folgt. Die Förderung läuft bisher normal. Der Sturm könnte bis Freitag die Küste erreichen und sich zu einem Hurrikan der Kategorie 2 entwickeln.

Die Raffineriekapazität an der US-Golfküste liegt bei 14,1 Millionen Barrel täglich, etwa die Hälfte der nationalen Kapazität. Bis zu sechs Anlagen könnten betroffen sein. Die Plattformen steuern rund 15 Prozent der US-Rohölförderung und 5 Prozent der Gasförderung bei. KCM-Trade-Analyst Tim Waterer sprach laut Reuters von einer unwillkommenen Komplikation für ein ohnehin nervöses Angebot.

Mehr Öl aus dem Golf, aber teure Logistik

Das Angebot verbessert sich spürbar. Händler Vitol beziffert die Ausfuhren aus dem Persischen Golf auf rund 12 Millionen Barrel Rohöl und 2 Millionen Barrel Kraftstoffe pro Tag. Die ING-Rohstoffanalysten beschreiben ein Tauziehen zwischen besserer Versorgung und fortbestehenden Bedrohungen. Nachhaltig niedrigere Preise sehen sie nur, wenn die Risiken abgebaut werden.

Teuer bleibt der Transport. Supertanker-Raten liegen laut Sparta Commodities über 1 Million US-Dollar am Tag, und die Kosten greifen auf kleinere Schiffe über. Für Anleger heißt das: Mehr Fördermenge senkt den Preis nicht automatisch, solange der Weg zum Kunden unsicher bleibt.

Was sagt das Momentum?

Das Momentum-Modell von Trading Department signalisiert für Brent-Öl bei 101,79 US-Dollar ein gemischtes Bild. Auf Stundenbasis und im Wochenbild zeigt es bullishes Momentum, auf 4-Stunden- und Tagesbasis neutrales. Kurzfristiger Impuls und übergeordneter Trend zeigen also nach oben, der mittlere Zeitrahmen bestätigt das noch nicht.

Szenarien

Fällt Brent nach dem Sprung wieder unter 100 US-Dollar zurück, würde der Markt vor allem auf die gemeldeten Exportmengen aus dem Golf und die Erholung der saudischen Pipeline setzen. Das spräche für eine Beruhigung.

Hält Brent dagegen die 100er-Marke, während der Sturm näher an die US-Küste rückt, gewinnt die Angebotssorge Gewicht: Fallen Raffinerien aus, trifft das einen Kraftstoffmarkt, der laut OilPrice.com ohnehin unter Druck steht.

Eskaliert der Jemen-Konflikt weiter und werden die Seewege am Bab el-Mandeb unsicherer, bleiben Frachtkosten und Risikoaufschläge hoch. Dann stützt das den Ölpreis unabhängig von den Fördermengen.