Ternus wird Apple-CEO: KI-Baustelle und OpenAI-Streit

John Ternus übernimmt Apple von Tim Cook. Der neue CEO erbt die Siri-Schwäche, steigende Speicherkosten und den eskalierenden Rechtsstreit mit OpenAI.

Ternus wird Apple-CEO: KI-Baustelle und OpenAI-Streit

Der geräuschlose Übergang

Tim Cook hat Apple nach 15 Jahren an John Ternus übergeben. Der bisherige Hardware-Chef ist seit heute, dem 1. September, offiziell CEO. Cook wechselt als Executive Chairman in den Verwaltungsrat und kümmert sich künftig vor allem um den Kontakt zu Regierungen. Der Wechsel war seit April angekündigt und vom Board einstimmig abgesegnet: keine Überraschung, kein Bruch. Der Markt quittierte den letzten Cook-Tag mit einem Minus von rund 1,5 Prozent. Über zwölf Monate steht die Aktie trotzdem gut 36 Prozent im Plus.

Ein Ingenieur an der Spitze

Ternus kam 2001 ins Produktdesign, seit Januar 2021 führte er die gesamte Hardware-Entwicklung. Er steht für das iPhone, das Apple weiter rund zwei Drittel des Umsatzes bringt. Genau das ist die Frage: Kann ein Hardware-Mann Apple durch eine Phase steuern, in der die Musik in der Software spielt? Cook hat den Konzern zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht, aber die letzte Amtszeit war von Zögern geprägt: Bei generativer KI kam Apple spät und dünn.

Sein Vorteil: Ternus kennt die Lieferkette und die Fertigung wie kaum ein Zweiter, in einer Zeit, in der Chips und Speicher zum strategischen Engpass werden. Sein Risiko: Er hat nie ein Software- oder Dienste-Geschäft verantwortet, und dort entscheidet sich Apples nächstes Jahrzehnt.

Die eigentliche Erbschaft: KI und ein Rechtsstreit

Ternus erbt drei offene Baustellen. Erstens Siri: Apples Assistent hinkt der Konkurrenz sichtbar hinterher, ein glaubwürdiges eigenes Sprachmodell fehlt. Zweitens die Speicherkosten: Die Preise für DRAM ziehen an und drücken die Marge im Kern-Geschäft. Am brisantesten aber ist der eskalierende Streit mit OpenAI. Apple wirft dem KI-Start-up vor, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben, um ein eigenes KI-Gerät rund um ChatGPT zu bauen. Am Montag legte Apple nach: OpenAI vernichte Beweismittel. OpenAI nennt die Klage "grundlos" und will Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung blockieren.

Was das für Trader heißt

Der Führungswechsel selbst ist eingepreist: ein geordneter Übergang, kein Kurs-Katalysator. Die Aktie bewegt künftig, ob Ternus die KI-Lücke schließt und wie der OpenAI-Prozess läuft. Ein Vergleich oder eine einstweilige Verfügung würde die Erzählung sofort drehen. Bis dahin bleibt Apple eine Halten-Position mit klarer Bringschuld: Der neue Chef muss dort liefern, wo Cook zuletzt zauderte. Fundamental bleibt das Geschäft solide: Der Dienste-Bereich wächst zweistellig, die Bilanz ist prall. Doch das Multiple der Aktie lebt von der Erwartung, dass Apple die KI-Wende noch schafft. Enttäuscht Ternus hier, trifft es die Bewertung härter als jede Gewinnwarnung.