De Cos: BIZ warnt vor Stablecoins und Dollarisierung
BIZ-Generaldirektor De Cos verwirft in Jackson Hole Stablecoins als Zahlungsmittel und warnt vor digitaler Dollarisierung. Bessent hält dagegen.
Eine Absage aus Basel
Auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole hat Pablo Hernández de Cos den Stablecoins die Massentauglichkeit abgesprochen. Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gilt als möglicher Nachfolger von EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Sein Urteil wiegt schwer. Stablecoins wie USDT und USDC taugten allenfalls für Spezialanwendungen, so De Cos. Der überzeugendere Weg in die Blockchain führe über tokenisierte Bankeinlagen.
Das Argument: Einheitlichkeit des Geldes
De Cos zielt auf einen wunden Punkt. Stablecoins höhlten die "Einheitlichkeit des Geldes" aus: Wer zwischen den Produkten wechsle, zahle Gebühren, ein Dollar sei dann nicht mehr überall derselbe Dollar. Dazu kämen fehlende Interoperabilität und Lücken in der Geldwäschebekämpfung. Außerhalb der USA drohe eine "digitale Dollarisierung", die nationale Geldpolitik schwäche und die Abhängigkeit von fremden Entscheidungen erhöhe. Tokenisierte Einlagen nutzten dieselbe Technik, ohne das Fundament des Geldsystems anzugreifen. Offen blieben allerdings Fragen zu Governance, Interoperabilität und der rechtlichen Finalität der Abwicklung.
Der Gegenpol in Washington
Die Front verläuft quer über den Atlantik. US-Finanzminister Scott Bessent feiert die Stablecoins als digitale Revolution: Sie stärkten die Rolle des Dollars und sicherten die Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Zahlenmäßig gibt ihm der Markt recht. Die Stablecoin-Kapitalisierung liegt bei 290 Milliarden Dollar, rund 99 Prozent entfallen auf dollar-gedeckte Angebote von Tether und Circle. Bessents Ankündigung, die Rückkäufe länger laufender Treasuries auszuweiten, hat die jüngste Bitcoin-Rally erst befeuert.
Was das für den Markt heißt
Für Trader ist der Schlagabtausch mehr als Rhetorik. Die BIZ setzt den regulatorischen Takt für die Notenbanken der Welt. Kippt die Stimmung in Basel gegen private Dollar-Token, bekommt die Wachstumsstory von Tether und Circle außerhalb der USA Gegenwind. Und das trifft dort am härtesten, wo die Nachfrage nach digitalem Dollar heute schon am größten ist: in den Schwellenländern. Die EU treibt parallel den digitalen Euro und tokenisierte Einlagen voran. Der Konflikt entscheidet, auf welchen Schienen der nächste Krypto-Zyklus läuft: privat und dollar-zentriert, oder bank- und notenbanknah.