Devisen-Wochenrückblick: Euro Schlusslicht, Yen gefragt
Euro schwächste Hauptwährung, Frankreich-Rendite 5,14 %, US-Renditen fallen auf 4,97 %: der Devisenmarkt-Rückblick und was nächste Woche zählt.
Die Woche an den Devisenmärkten: Euro Schlusslicht
Das Wichtigste in Kürze
- Der Euro ist die schwächste Hauptwährung der Woche, der australische Dollar die stärkste.
- US-Renditen fallen seit dem 7. Oktober von 5,35 auf 4,97 Prozent.
- Fed, US-BIP, PCE und Big-Tech-Zahlen folgen kommende Woche.
EUR/USD schließt die Woche bei rund 1,1205 und bleibt in einer Seitwärtsspanne. Hinter der Ruhe im Chart steckt eine Woche mit klaren Verlierern: Der Euro landet laut ActionForex am Ende der Rangliste der Hauptwährungen, vor dem Hintergrund eines Tech-Ausverkaufs, einer Rendite-Rally bei Staatsanleihen und neuer Sorgen um Frankreich.
Wer gewann, wer verlor
Das Ranking der Hauptwährungen fällt nach Angaben von ActionForex ungewöhnlich aus. Vorn liegen der Aussie, der kanadische Dollar und der Kiwi. Hinten stehen neben dem Euro auch der US-Dollar und der Franken. Ein sauberes Risk-off-Muster sieht anders aus, denn klassische Fluchtwährungen profitierten nur teilweise. Am Donnerstag zog der Yen an, als Technologiewerte in Asien und Europa fielen. Der Kospi verlor rund 3,5 Prozent, der Nikkei 2,7 Prozent.
USD/JPY rutschte dabei kurz unter die Unterstützung bei 156,36, holte den Verlust aber zurück. Der Chartanalyst von ActionForex sieht das Paar kurzfristig neutral, mit 159,02 als Marke für eine Fortsetzung nach oben.
Frankreich belastet, doch der Auslöser liegt woanders
Dass der Euro hinterherhinkt, hat eine politische Ursache. Frankreichs Zehnjahresrendite sprang am Donnerstag auf 5,14 Prozent, so hoch wie zuletzt 2002, und der Abstand zur deutschen Bundesanleihe wuchs auf etwa 173 Basispunkte. Dazu kommen Moodys' Bewertung am Freitag und ein Haushaltsstreit ohne Lösung. Während US-Treasuries und Bunds gesucht waren, wurde französisches Papier verkauft – eine Spaltung, die den Euro-Raum zusammenhält und zugleich auseinanderzieht.
Für die EZB verschärft das ihr Dilemma. Finanzmarktwelt zitiert eine Bloomberg-Umfrage, nach der Ökonomen im Dezember mit einer Anhebung des Einlagensatzes auf 2,75 Prozent rechnen und danach mit einer langen Pause. Die Märkte preisen binnen zwölf Monaten drei Schritte ein. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 3,8 Prozent, auch weil Brent bei über 110 Dollar notiert. Stützend wirkt wenig: Der deutsche Einkaufsmanagerindex sank im Oktober auf 52,8 Punkte, den tiefsten Stand seit zwei Monaten.
Der Anleihemarkt setzt den Ton
Wichtiger als jede einzelne Währung war diese Woche der Zins. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gab Finanzmarktwelt zufolge um knapp 0,19 Prozentpunkte nach – die stärkste Tagesbewegung nach unten seit März 2023. Bundesanleihen rentieren mit 3,34 Prozent nach 3,65 Prozent Ende September. Anleger tauschen Tech-Aktien gegen Staatsanleihen, obwohl die Ölpreise die Inflation antreiben und die Renditen eigentlich stützen müssten.
Genau darin liegt für Devisen das Spannungsfeld der kommenden Tage: Fed-Entscheid, US-BIP, PCE-Inflation und Big-Tech-Zahlen treffen zusammen. Ob die Renditen stärker auf Inflationssorgen oder auf nachlassende Risikobereitschaft reagieren, entscheidet laut ActionForex über die nächste Richtung.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert bei EUR/USD ein gemischtes Bild: Auf Sicht von einer Stunde und auf Tagesbasis steht der Zustand neutral, auf Vier-Stunden- und Wochensicht bearish. Der Kurs lag zum Zeitpunkt der Aufnahme bei 1,1205.
Szenarien
Nach Einschätzung von ActionForex bleibt das Risiko nach unten gerichtet, solange 1,1276 als Widerstand hält. Fällt EUR/USD unter 1,1111, rückt das Fibonacci-Niveau bei 1,0904 in den Blick. Gelingt dagegen ein klarer Ausbruch über 1,1276, wäre ein Rebound bis zum 55-Tage-Durchschnitt bei 1,1373 denkbar.