Dollar fällt vom 18-Monatshoch: Fed-Zinswetten sinken

Nach heißen US-Inflationsdaten gibt der Dollar nach: Fed-Vertreter wollen abwarten, EUR/USD erholt sich auf 1,12. Die Einordnung.

Dollar fällt vom 18-Monatshoch: Fed-Zinswetten sinken

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Dollar-Index sinkt auf rund 102,03 Punkte, knapp unter dem 18-Monatshoch vom Vortag.
  • Fed-Vertreter bremsen: Die Oktober-Zinserhöhung gilt wieder als weniger sicher.
  • Entscheidend wird die Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober; EUR/USD notiert bei etwa 1,12.

Am Mittwoch stand der Dollar noch auf einem Niveau, das er seit eineinhalb Jahren nicht gesehen hatte. Einen Tag später ist davon ein Teil verflogen: Der Dollar-Index liegt bei rund 102,03 Punkten, der Euro hat sich auf etwa 1,1216 US-Dollar berappelt.

Fed-Stimmen nehmen dem Dollar den Wind aus den Segeln

Der Rückschlag kommt, obwohl die Inflationsdaten eigentlich Dollar-freundlich ausfielen. Bei Finanzmarktwelt rechnet Markus Fugmann vor: Die Verbraucherpreise für September kletterten im Jahresvergleich auf 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im Vormonat. Die Kernrate liegt bei 2,6 Prozent und damit eine Spur über der Prognose von 2,5 Prozent. Gegenüber August stiegen die Preise insgesamt um 0,6 Prozent, im Kern um 0,3 Prozent.

Zunächst reagierten die Märkte wie erwartet. Zehnjährige US-Anleihen rentierten nach Fugmanns Angaben plötzlich um neun Basispunkte höher bei 5,29 Prozent, der Euro rutschte auf 1,1160 Dollar. Reuters beziffert die Marktwette auf eine Fed-Anhebung im Oktober in dieser Phase auf etwa die Hälfte.

Danach meldeten sich Notenbanker zu Wort. Michelle Bowman und Mary Daly signalisierten laut Reuters, dass es keinen Grund zur Eile gibt. Die Renditen drehten, zehnjährige Titel stehen bei rund 5,09 Prozent, dreißigjährige bei 5,43 Prozent. Der Euro gewinnt etwa 0,5 Prozent, das Pfund steigt auf 1,3253 Dollar, der Yen auf 157,74 je Dollar.

Was Devisenhändler jetzt beschäftigt

Die Lage bleibt zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen Preisdaten, die eine straffere Geldpolitik rechtfertigen könnten. Auf der anderen Seite steht eine Fed, die sich nicht festlegen will. Zwischen beiden Polen pendelt der Dollar, und bis zum Zinsentscheid am 27. und 28. Oktober dürfte sich daran wenig ändern.

Dazu kommt das Börsenumfeld. Reuters verweist auf Sorgen über die Verschuldung großer KI-Konzerne, die die Aktienmärkte drücken. Kit Juckes von Société Générale und Khoon Goh von ANZ beschreiben einen Markt, der zwischen Korrekturerwartung und robusten Konjunkturdaten schwankt.

Was sagt das Momentum?

Für EUR/USD bei 1,12196 US-Dollar zeigt die Aufnahme ein geteiltes Bild: Das Momentum signalisiert auf Stundenbasis bullish und im 4-Stunden-Chart neutral. Im Tageschart und im Wochenchart steht es dagegen auf bearish. Die kurzfristige Erholung steht damit gegen einen übergeordneten Abwärtstrend.

Szenarien

Bleibt die Fed bei ihrer abwartenden Haltung und sinken die Renditen weiter, kann der Euro die Marke von 1,12 zunächst verteidigen. Bringen die nächsten Preisdaten dagegen weitere Aufwärtsüberraschungen, gewinnt die Oktober-Zinserhöhung wieder an Gewicht, und ein Rückfall Richtung 1,1160 wird denkbar, jenes Niveau, auf dem der Euro nach den Inflationszahlen zeitweise stand.