Gold & Silber auf 3-Monats-Hoch: Der Dollar gibt nach
Gold steigt über 4.450 Dollar, Silber über 67 Dollar. Ein schwacher Dollar und die verblassende Fed-Zinswette treiben die Edelmetalle auf Drei-Monats-Hochs.
Der Dollar bricht den Metallen die Fesseln
Gold notiert am Freitag über 4.450 Dollar je Feinunze und markiert den höchsten Stand seit drei Monaten. Silber zieht noch kräftiger an: Das Metall springt über 67 Dollar und führt die Rally an. Treiber ist die Schwäche des US-Dollar. Der Dollar-Index fällt auf ein Mehrwochentief, weil die Wette auf eine Fed-Zinserhöhung im September weiter zerfällt — der Markt taxiert sie nur noch auf rund ein Drittel Wahrscheinlichkeit. Schrumpft der Zinsvorteil des Dollar, verlieren zinslose Metalle ihren größten Nachteil. Parallel wertet der Euro auf: Nomura sieht die Gemeinschaftswährung vor Pfund, Dollar und Yen. Das ist ein Signal, dass die Dollar-Schwäche breit angelegt ist und nicht auf ein einzelnes Währungspaar beschränkt bleibt.
Safe-Haven-Nachfrage trifft auf günstigere Preise
Ein schwächerer Dollar verbilligt die in Dollar gehandelten Metalle für Käufer außerhalb der USA: allein das genügt als mechanischer Rückenwind. Dazu kommt die Flucht in Sicherheit, solange die geldpolitische Richtung unklar bleibt und die Zentralbanken ihre Gold-Reserven weiter aufstocken. Auch die börsengehandelten Metall-Fonds verzeichnen wieder Zuflüsse, nachdem sie über Wochen Kapital verloren hatten. Silber profitiert doppelt — als Edelmetall und als Industrierohstoff. Das erklärt, warum es Gold beim Tempo überholt: Das Gold-Silber-Verhältnis engt sich ein, ein klassisches Signal für eine breit getragene Metall-Bewegung statt einer reinen Angst-Reaktion. Zusätzlich stützen sinkende Realrenditen: Fällt die inflationsbereinigte Verzinsung der US-Anleihen, sinken die Opportunitätskosten des Goldbesitzes, und genau dieser Mechanismus wirkt gerade zugunsten der Metalle.
Die Fed bleibt der Hebel
Der Rally-Motor ist die Zinserwartung, nicht die physische Knappheit. Bestätigt das nächste FOMC-Signal eine Pause, läuft die Bewegung weiter und ein Test der bisherigen Jahreshochs rückt in Reichweite. Kippt die Rhetorik zurück ins Hawkishe oder fängt sich der Dollar, folgt der Rücksetzer ebenso schnell: Die spekulative Positionierung am Terminmarkt ist zuletzt spürbar gestiegen und bietet Angriffsfläche für eine Gegenbewegung. Für die Praxis bedeutet das eine momentum-getriebene, an den Dollar gekoppelte Bewegung. Der Dollar-Index und die realen Renditen taugen als Frühindikator. Ein Bruch von Gold unter 4.400 und Silber unter 66 Dollar würde das bullische Bild kippen; darüber bleibt der Weg nach oben der Weg des geringsten Widerstands. Das nächste Etappenziel für Gold ist das bisherige Jahreshoch, für Silber die runde Marke von 70 Dollar, die zuletzt als psychologischer Widerstand galt.