EUR/USD bricht Septembertrend – Käufer zögern
EUR/USD erholt sich auf 1,1201, doch die Dynamik bleibt schwach. Welche Marken vor Fed und EZB zählen.
Das Wichtigste in Kürze
- EUR/USD erholt sich um mehr als 1,4 % von den Oktobertiefs und notiert bei rund 1,1201.
- Der Abwärtstrend aus dem September ist gebrochen, doch die Käufer bleiben zögerlich.
- Zwischen 1,1110 und 1,1130 liegt die Marke, an der sich die Richtung entscheidet.
Der Euro stabilisiert sich, aber noch ohne Überzeugung. EUR/USD steht am Donnerstag bei etwa 1,1201 Dollar und hat sich damit gut 1,4 % von seinen Oktobertiefs gelöst. Zuvor war das Paar vom September-Hoch um mehr als 4,6 % abgesackt. Ob daraus eine Trendwende wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen an wenigen Kursmarken.
Der Euro bricht den Septembertrend, kommt aber nicht voran
Michael Boutros, technischer Stratege bei FOREX.com, sieht die Erholung als Fortschritt: Sie hat die Abwärtslinie aus dem September durchbrochen. Gleichzeitig hält er fest, dass die Dynamik schwach bleibt und die Euro-Käufer Mühe haben, nachzulegen.
Die erste Hürde liegt bei 1,1276, dem Hoch aus dem Jahr 2023. Darüber beginnt eine Zone zwischen 1,1342 und 1,1360, die Boutros als Schlüsselwiderstand einstuft. Weitere Ziele wären 1,1412 und der Bereich um 1,15. Nach unten reicht das Netz bis 1,1156, dem tiefsten Tagesschluss des Jahres. Ein Tagesschluss unter 1,1110 bis 1,1130 würde nach seiner Lesart den übergeordneten Abwärtstrend seit August wieder aufnehmen.
Fed und EZB geben nächste Woche den Takt vor
Für den Euro zählt weniger die Charttechnik als die Notenbank-Woche. Die EZB dürfte ihre Zinsen laut FOREX.com unverändert lassen. Bei der Fed am 28. Oktober rechnet Robin Brooks, Ökonom und Währungsbeobachter, ebenfalls nicht mit einer Zinserhöhung. Er sieht kein realistisches Szenario dafür. Selbst ein Ölpreisschock, bei dem Brent von rund 110 auf 125 Dollar steigt, würde die Notenbank seiner Einschätzung nach eher bremsen, weil schärfere Finanzierungsbedingungen den Aktienmarkt belasten.
Der Markt sieht es ähnlich ruhig. Eingepreist sind nach Brooks nur noch etwa 4 Basispunkte für eine Erhöhung, nachdem ein heißer Inflationswert die Erwartungen kaum bewegt hat. Das nimmt dem Dollar einen Teil seines Rückenwinds, ohne dem Euro schon einen eigenen Auftrieb zu geben. Dazwischen stehen am Freitag die vorläufigen Oktober-Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und die USA sowie das Michigan-Konsumklima als Impulsgeber.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum-Bild für EUR/USD ist gemischt. Das Momentum signalisiert auf dem 4-Stunden-Chart einen bullischen Zustand, auf Stunden- und Tagesbasis dagegen einen neutralen. Die Wochenansicht bleibt bearisch. Die Erholung ruht damit bislang auf kurzfristigen Schultern, während der größere Trend noch gegen den Euro steht.
Szenarien
Hält der Euro über 1,1276 und schließt darüber, öffnet sich laut Boutros der Weg in Richtung 1,1342 bis 1,1360. Dort würde sich zeigen, ob aus der Erholung mehr wird als eine Gegenbewegung.
Scheitert der Kurs an der 1,1276, bleibt die Spanne zwischen 1,1156 und dem Widerstand die wahrscheinlichste Bühne bis zu den Notenbankterminen.
Fällt EUR/USD dagegen per Tagesschluss unter 1,1110 bis 1,1130, wäre die Erholung entwertet. Als nächste Marke nennt FOREX.com dann 1,1032.