EUR/USD fällt trotz hoher Inflation auf Tief seit Mai 2025

Inflation steigt in Frankreich und Deutschland, doch der Euro verliert. Fed-Zinsen stützen den Dollar. Was EUR/USD vor den Euroraum-Daten jetzt zeigt.

EUR/USD fällt trotz hoher Inflation auf Tief seit Mai 2025

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreich und Deutschland melden für September deutlich höhere Inflation, der Euro gibt trotzdem nach.
  • EUR/USD notiert nach über 2 Prozent Minus im September auf dem tiefsten Stand seit Mai 2025.
  • Am Freitag um 15:00 Uhr folgt die Euroraum-Schätzung, sie entscheidet über den EZB-Kurs mit.

Hohe Inflationsdaten stützen eine Währung eigentlich, weil sie Zinserhöhungen wahrscheinlicher machen. Beim Euro passiert gerade das Gegenteil: Trotz heißer Zahlen aus Paris und Berlin rutscht EUR/USD in der Nähe von 1,13 US-Dollar ab. Der Dollar setzt die Maßstäbe, nicht die Teuerung in Europa.

Heiße Zahlen aus Paris und Berlin, schwacher Euro

In Frankreich stieg die Inflation im September auf 3,4 Prozent, nach 2,6 Prozent im August. In Deutschland legte sie von 2,9 auf 3,3 Prozent zu. Finanzmarktwelt ordnet das als Treiber für die Anleihemärkte ein, wobei Frankreich stärker unter Druck gerät als Deutschland. Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen auf Bundesanleihen liegt laut Finanzmarktwelt bei 1,27 Prozentpunkten, dem höchsten Wert seit 14 Jahren. Frankreich zahlt 4,87 Prozent, Deutschland 3,60 Prozent.

Am Devisenmarkt kommt davon wenig an. Laut Mitrade handelt EUR/USD bei rund 1,1337 und hat im September mehr als 2 Prozent verloren. Der Euro ist damit so schwach wie zuletzt im Mai 2025 und gehört im September zu den schwächsten großen Währungen gegenüber dem Yen.

Warum der Dollar die Teuerung überstrahlt

Der Grund liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Fed hob Mitte September die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Fed-Chef Kevin Warsh gab dabei einen restriktiven Ausblick. Der Bloomberg Dollar Spot Index gewann laut Finanzmarktwelt binnen zwei Wochen rund 2 Prozent und markierte den höchsten Stand seit Juli.

Der Markt preist dem Bericht zufolge bei Fed und EZB in diesem Jahr jeweils mindestens einen weiteren Zinsschritt ein. Auf zwölf Monate sehen die Preise bei der Fed aber fast 90 Basispunkte an Erhöhungen vor. Citigroup-Stratege Daniel Tobon sieht bei der EZB zudem das Risiko, dass sie wegen der Konjunkturlast früher abbrechen muss. Das würde den Dollar gegenüber dem Euro begünstigen. Tobon setzt seit Januar auf einen schwächeren Euro.

Die Inflation ist damit eher ein Problem als eine Stütze: Sie nährt die Sorge, dass die EZB gegen Energiepreise anhebt und die Wirtschaft belastet, während die Fed den Zinsvorteil des Dollars verteidigt.

Was sagt das Momentum?

Unsere Aufnahme von EUR/USD (Kurs 1,1285) zeigt ein klares Bild. Das Momentum signalisiert auf 1 Stunde, 4 Stunden und 1 Tag einen bärischen Zustand, auf Tagesbasis mit einem Score von -0,87. Nur der Wochenchart steht auf neutral. Der kurzfristige Trend zeigt also klar nach unten, der übergeordnete Rahmen ist noch nicht gekippt.

Szenarien

Fällt EUR/USD unter die Tagestiefs bei 1,1312, bestätigt das laut Mitrade den Abwärtstrend. Der Tages-RSI liegt mit rund 23 zugleich tief im überverkauften Bereich, was technisch eine Gegenbewegung begünstigt.

Gelingt ein Anstieg über die psychologische Marke von 1,1400, rücken 1,1470 und die 50- und 100-Tage-Linie bei 1,1521 bis 1,1532 in den Fokus.

Fällt die Euroraum-Inflation am Freitag über der Erwartung von 3,6 Prozent aus, stützt das die Wetten auf weitere EZB-Schritte. Bleibt die Dollarstärke dominant, kann das die Wirkung auf den Euro aber verpuffen lassen.