Euro unter Druck: Frankreich-Spread treibt EUR/USD
EUR/USD fällt unter 1,1200: Unruhen in Frankreich weiten den Spread auf 145 Basispunkte. Was das für EZB, Haushalt und Momentum heißt.
Euro unter Druck: Frankreich-Spread nähert sich 150 Basispunkten
Das Wichtigste in Kürze
- EUR/USD rutscht am Montag zeitweise unter 1,1200 US-Dollar und notiert bei etwa 1,1230.
- Unruhen in Frankreich weiten den Renditeaufschlag zu Bundesanleihen auf rund 145 Basispunkte.
- Morgen testet ein Votum in Paris, ob die Haushaltskonsolidierung politisch tragfähig bleibt.
Der Euro startet schwach in die Woche. EUR/USD fällt zeitweise unter die Marke von 1,1200 und steht am Mittag bei rund 1,1220 bis 1,1230 US-Dollar, ein Minus von etwa 0,2 Prozent. Auslöser sind die Ausschreitungen in Frankreich vom Wochenende, die den ohnehin angeschlagenen Haushaltskurs von Präsident Emmanuel Macron weiter belasten.
Paris wird zum Risikofaktor für den Euro
Wie Justin Low bei investingLive schreibt, weitet sich der Zinsaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen (10 Jahre) wieder in Richtung 145 Basispunkte aus. Die Marke von 150 Basispunkten rückt damit in Reichweite. Anfang September lag der Abstand noch bei rund 85 Basispunkten. Der Spread ist ein Gradmesser dafür, wie viel mehr Anleger für französisches Schuldenrisiko verlangen.
Hinter dem Druck steckt ein bekanntes Muster: hohes Haushaltsdefizit, zersplitterte Parlamentsmehrheiten und unpopuläre Sparmaßnahmen, die auf der Straße kaum durchsetzbar sind. Low warnt, dass ein Bruch der 150er-Marke dem Euro bis Ende Oktober eine holprige Zeit bescheren könnte. Am 23. Oktober steht zudem die Überprüfung des französischen Kreditratings durch Moody's an.
Der Markt hat das bereits in die Zinserwartungen übersetzt. Laut Giuseppe Dellamotta von investingLive sind die Wetten auf eine EZB-Zinserhöhung im Oktober nach den Spannungen am Anleihemarkt deutlich gesunken. Für Dezember preist der Markt weiterhin mit rund 87 Prozent eine Anhebung ein, dazu zwei weitere Schritte im kommenden Jahr, Senkungen erst 2028. Der Spread erreichte nach seiner Beschreibung den höchsten Stand seit der Eurokrise.
Warum die Inflation die EZB in die Zwickmühle bringt
Die Notenbank hat diesen Sommer bereits zweimal angehoben, und die Daten liefern ihr wenig Entlastung. Frankreichs Inflation stieg im September laut finaler Schätzung auf 3,1 Prozent (CPI) nach 2,4 Prozent im August; der harmonisierte Index HICP legte von 2,6 auf 3,4 Prozent zu. Energie verteuerte sich um 21,3 Prozent im Jahresvergleich, die Dienstleistungspreise zogen auf 2,4 Prozent an. Nur die Kernrate blieb mit 1,5 Prozent unter der EZB-Zielmarke von 2 Prozent.
Das ist die Zwickmühle: Weitere Zinserhöhungen würden die ohnehin teuren Staatsfinanzen belasten, Abwarten riskiert, dass die Energiepreise stärker in Löhne und Dienstleistungen durchschlagen. Low hält die Dezember-Anhebung deshalb für umso naheliegender, falls die Energiepreise stärker durchschlagen.
Auf der Dollar-Seite gibt es dagegen Entlastung für den Euro. Die US-Renditen langer Laufzeiten sinken trotz höherer Inflationsdaten, der Dollar gibt nach. Die erwartete Straffung der Fed bis Ende 2027 sank nach Dellamottas Angaben von 80 auf 70 Basispunkte. Der Markt fragt sich offenbar, ob das Wachstum leidet. Die Flash-PMIs für die Eurozone und die USA am Freitag gelten als nächster Test.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert bei EUR/USD ein gemischtes Bild. Auf Stundenbasis (1h) ist der Zustand bärisch, auf 4h bullisch. Auf Tagesbasis (1D) und Wochenbasis (1W) bleibt er bärisch. Der übergeordnete Trend zeigt damit weiter nach unten, die kurzfristige Erholung auf 4h hat noch keine höheren Zeitrahmen gedreht. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lag der Kurs bei 1,1231.
Szenarien
Fällt EUR/USD nachhaltig unter 1,1200, rückt laut Low das Oktober-Tief bei etwa 1,1113 in den Fokus. Dellamotta nennt 1,1067 als Bereich, in dem Käufer einsteigen könnten; darunter öffnet sich der Weg Richtung 1,08.
Gelingt dagegen ein Anstieg über 1,1250, liegt der nächste Widerstand bei rund 1,1254 und danach bei 1,1341. Die 4h-Zone um 1,1275 hat den Kurs mehrfach abgewiesen. Ein glatt durchlaufender Haushalt in Paris könnte diese Erholung stützen, eine Ablehnung oder weitreichende Zugeständnisse würden den Euro eher belasten. Die Abstimmung über den Gesamthaushalt ist für den 17. November angesetzt.