FTX zahlt 900 Millionen aus: Fünfte Gläubiger-Runde

FTX startet am 31. Juli die fünfte Auszahlung über 900 Millionen Dollar. Fast 10 Milliarden sind zurückgeflossen — bewertet zu Kursen von November 2022.

FTX zahlt 900 Millionen aus: Fünfte Gläubiger-Runde

Die FTX-Insolvenzmasse legt nach: Am 31. Juli startet die fünfte Auszahlungsrunde über rund 900 Millionen US-Dollar. Berechtigte Gläubiger, die bis zum Stichtag 16. Juni ihre KYC-Prüfung, Steuerformulare und das Onboarding bei BitGo, Kraken oder Payoneer abgeschlossen haben, sollen das Geld innerhalb von ein bis drei Werktagen erhalten. Damit summiert sich das zurückgeflossene Kapital auf fast 10 Milliarden Dollar seit Beginn der Rückzahlungen 2025.

Wer was bekommt

Die Convenience-Klasse — überwiegend Retail-Trader mit kleineren Forderungen — erreicht mit dieser Runde eine kumulierte Quote von 120 Prozent. General Unsecured Claims und Digital Asset Loan Claims bekommen jeweils weitere 3 Prozentpunkte und stehen nun bei 103 Prozent. Auf dem Papier ist das eine der erfolgreichsten Insolvenzabwicklungen der Finanzgeschichte: Gläubiger erhalten mehr als ihre anerkannte Forderung.

Der Haken heißt November 2022

Die Quote bezieht sich auf den Dollarwert der Bestände zum Zeitpunkt des Kollapses im November 2022. Bitcoin notierte damals um 17.000 Dollar, heute sind es rund 64.000. Wer seine Coins auf FTX liegen hatte, bekommt 120 Prozent eines Bruchteils des heutigen Werts. Die Kursrally der vergangenen drei Jahre gehört der Estate, nicht den Gläubigern. Genau daran entzündet sich seit Monaten die Kritik am Verzicht auf In-Kind-Rückzahlungen — und keine Auszahlungsrunde heilt diesen Konstruktionsfehler.

Was das für den Markt bedeutet

Für den Kryptomarkt ist die Auszahlung kein Verkaufsdruck-Ereignis: Es fließt Fiat, keine Coins. Die interessantere Frage ist die Gegenrichtung. Ein Teil der 900 Millionen dürfte zurück in BTC, ETH und SOL rotieren. Die Historie mahnt allerdings zur Bescheidenheit: Bei der 2,2-Milliarden-Runde im März blieb der erhoffte Impuls aus. Zudem haben viele Gläubiger ihre Forderungen längst mit Abschlag an Distressed-Fonds verkauft. Das frische Geld landet damit zu einem erheblichen Teil bei professionellen Adressen, die es nicht zwingend in Spot-Krypto stecken.

Der Zeitpunkt fällt in einen zähen Markt: Bitcoin kämpft um die 64.000-Dollar-Marke, das Coinbase-Premium ist seit rund 60 Tagen negativ — ein Band, das fehlende US-Spot-Nachfrage dokumentiert. Gegen eine Marktkapitalisierung von über zwei Billionen Dollar sind 900 Millionen Rundungsrauschen. Relevanter ist das Signal: Der größte Betrugsfall der Krypto-Geschichte wird geordnet abgewickelt, ein Altlasten-Risiko weniger steht auf der Liste.