Gold unter 4.100 $, Silber -6 %: Heißer CPI treibt Zinsangst

US-Inflation 3,7 %: Gold fällt unter 4.100 Dollar, Silber verliert über 6 %. Warum die Fed-Zinsangst zurück ist und was Momentum und Marken zeigen.

Gold unter 4.100 $, Silber -6 %: Heißer CPI treibt Zinsangst

Das Wichtigste in Kürze

  • Gold fällt nach dem US-Inflationsbericht auf 4.099 Dollar, Silber bricht um 6,2 Prozent ein.
  • Die September-Teuerung liegt bei 3,7 Prozent, die Zinserhöhung im Oktober rückt näher.
  • Am Donnerstag erholt sich Gold, doch Finanzmarktwelt hält die Erholung für vorübergehend.

Der Mittwochabend gehört den Edelmetallen im Rückwärtsgang. Gold verliert nach den US-Verbraucherpreisen 1,5 Prozent und rutscht laut Kitco auf rund 4.099 Dollar je Unze, Silber sackt um 6,2 Prozent auf 55,41 Dollar ab. Auslöser ist eine Teuerung, die über den Erwartungen liegt.

Ein Silberpreis im freien Fall, ein Gold im Rückzug

Der Konsumentenpreisindex für September steigt um 0,6 Prozent zum Vormonat und um 3,7 Prozent zum Vorjahr. Der Konsens lag bei 3,6 Prozent, im August lag die Rate bei 3,4 Prozent. Den Ausschlag gibt die Energie: Benzin verteuert sich um 9,1 Prozent. Die Kernrate, die Energie und Lebensmittel ausklammert, bleibt mit 0,3 Prozent zum Vormonat und 2,6 Prozent zum Vorjahr vergleichsweise zahm.

Für die Notenbank zählt trotzdem die Gesamtlage. Kitco beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober nach dem Bericht auf knapp 40 Prozent, vor den Daten waren es rund 20 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nähert sich 5,3 Prozent und pendelt am Abend bei etwa 5,27 Prozent. Für Gold und Silber, die keine Zinsen abwerfen, steigen damit die Opportunitätskosten.

Silber gibt gut viermal so stark nach wie Gold. Das kleinere Metall reagiert meist auf Zins- und Dollarbewegungen überproportional, weil es als Industriemetall zusätzlich an der Konjunkturstimmung hängt. An den Aktienmärkten läuft es parallel schwach: Der S&P 500 verliert 1,1 Prozent auf 7.718,94 Punkte, der Nasdaq Composite 1,9 Prozent. Brent hält sich bei rund 106 Dollar je Barrel, was den Inflationsdruck zusätzlich nährt.

Donnerstag: Zinsen drehen, Gold fängt sich

Am Donnerstag kippt das Bild zumindest für Gold. Markus Fugmann schreibt bei Finanzmarktwelt, die Zinsen fielen trotz der höheren Inflation vom Vortag, und deshalb steige der Goldpreis. Hintergrund ist ein Kursrutsch bei Rechenzentrums-Aktien, in dessen Zentrum Fugmann die Zweifel an der KI-Bewertung sieht. Der Anleihemarkt habe die Risiken früher gesehen als die Börse, so seine These. Er erwartet allerdings, dass der Anstieg des Goldpreises nur vorübergehend ist.

Unsere Momentum-Aufnahme von Donnerstagvormittag zeigt Gold bei 4.178,50 Dollar, also gut 80 Dollar über dem Kitco-Stand vom Mittwochabend. Das ist eine Erholung, aber noch keine Trendwende.

Was sagt das Momentum?

Das Momentum signalisiert ein gemischtes Bild: Im 1-Stunden-Chart steht Gold auf bullish, die Erholung ist also im kurzen Zeitrahmen sichtbar. Auf 4 Stunden, auf Tagesbasis und auf Wochenbasis bleibt der Zustand dagegen bearish. Der übergeordnete Trend zeigt damit weiter nach unten, die Bewegung vom Donnerstag bleibt vorerst ein Rebound innerhalb dieses Rahmens.

Szenarien

Bleibt Gold über den Unterstützungen bei 4.072,70 und 4.066,54 Dollar, die Kitco als erste Marken nennt, bleibt die Erholung intakt. Die Widerstände bei 4.114 und 4.134,62 Dollar liegen mit dem Donnerstagskurs von 4.178,50 Dollar bereits hinter dem Preis.

Fällt Gold dagegen unter die Zone um 4.067 Dollar, wäre die Erholung vom Donnerstag wieder aufgezehrt. Drehen die Renditen erneut nach oben, wie es Fugmann für möglich hält, kehrt der Zinsdruck zurück.

Bei Silber liegt die Unterstützung laut Kitco bei 55,27 Dollar, Widerstände sieht Kitco bei 56,00 und 56,55 Dollar. Fällt Silber unter 55,27 Dollar, setzt sich der Abverkauf vom Mittwoch fort; über 56,55 Dollar wäre er zumindest gebremst.