Kraken schiebt Börsengang auf 2027 — IPO-Welle stockt
Payward verschiebt Krakens Börsengang auf frühestens Q2 2027. Trotz 20-Mrd-Bewertung und 508 Mio Quartalsumsatz bleibt das Krypto-Fenster zu.
Das Fenster bleibt zu
Payward, die Muttergesellschaft der US-Börse Kraken, hat ihren Börsengang erneut verschoben: Frühestens im zweiten Quartal 2027 soll das Listing kommen, ein Jahr später als bislang erwartet. Schon im März hatte das Unternehmen aus Wyoming die Pläne auf Eis gelegt, weil schwache Kurse und dünne Handelsvolumina die Bewertungen drückten. Die Verlängerung bestätigt, was der Sektor seit Monaten spürt: Das Fenster für Krypto-IPOs ist zu.
Starkes Geschäft, schwacher Markt
Am Geschäft liegt es nicht. Kraken meldete für das zweite Quartal eine bereinigte Umsatzbasis von 508 Millionen Dollar, ein Plus von 17 Prozent zum Vorjahr. Die Zahl der finanzierten Konten stieg um 42 Prozent auf 6,6 Millionen, das verwahrte Vermögen liegt bei 40 Milliarden Dollar. Im Herbst 2025 sammelte Payward zudem 800 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 20 Milliarden ein, mit dabei ein 200-Millionen-Ticket von Citadel Securities. Ein Kandidat mit Substanz also, der trotzdem nicht an die Börse geht.
Kraken ist nicht allein
Die Absage reiht sich in eine ganze Serie. Nach den gefeierten Debüts von Circle und Bullish im Vorjahr rechnete die Branche für 2026 mit einer Listing-Welle. Stattdessen schwächelten die Kurse, die Handelsvolumina sackten ab, und frisch notierte Krypto-Firmen enttäuschten im Aftermarket. Grayscale, der Ethereum-Entwickler Consensys und der Wallet-Hersteller Ledger schoben ihre Pläne bereits zurück. Kraken ist damit das prominenteste Glied einer Kette aus vertagten Börsengängen.
Der Umbau läuft weiter
Während das Listing wartet, baut Payward um. Für 550 Millionen Dollar übernahm das Unternehmen die Derivatebörse Bitnomial, für 600 Millionen die Stablecoin-Zahlungsplattform Reap, dazu kam die Wallet-Infrastruktur von Magic Labs. Aus der reinen Handelsbörse soll eine breite Finanzplattform werden, die Trading, Zahlungen und tokenisierte Aktien unter ein Dach holt. Erst diese Woche kündigte Payward an, mit der Londoner Börse britische Blue Chips on-chain zu bringen.
Was das für dich heißt
Die Verschiebung ist ein Stimmungsmesser, kein Betriebsunfall. Solange die stärkste Krypto-Börse ohne Not zwei Jahre wartet, taxiert der Private Market das öffentliche Interesse an Krypto-Aktien niedriger als die Firmen selbst. Für Anleger heißt das: Der Aufschlag, den CRCL und BLSH 2025 an den Tag legten, gilt derzeit nicht als wiederholbar. Kraken sitzt das aus, mit vollen Kassen und wachsendem Geschäft. Kippt die Marktstimmung 2026 doch noch, steht mit Kraken der größte aufgestaute Börsengang der Branche bereit. Bis dahin bleibt die Pipeline verstopft, und jede weitere Absage bestätigt den Befund.