MSCI vs. Strategy: Saylor kämpft gegen Index-Rauswurf
MSCI prüft erneut den Ausschluss von Bitcoin-Treasury-Firmen. Saylor wehrt sich, JPMorgan warnt vor 2,8 Milliarden Dollar Zwangsverkäufen bei MSTR.
Michael Saylor verkauft Strategy seit Jahren als die reinste Bitcoin-Wette an der Börse. Genau diese Reinheit wird jetzt zum Problem.
Zweiter Anlauf gegen die Bitcoin-Aktien
MSCI nimmt die Krypto-Treasury-Firmen ein zweites Mal ins Visier. Am 14. August eröffnete der Indexanbieter eine Konsultation über "nicht operative" Unternehmen: Wer weniger als 50 Prozent seiner Bilanz mit echtem Geschäft unterlegt, fällt durch einen Kern-Test und ein zusätzliches Fünf-Kennzahlen-Raster. Strategy trifft das ins Mark. Rund 90 Prozent der Bilanz stecken in Bitcoin, das Software-Geschäft ist längst Beiwerk.
Eine Simulation mit Mai-Daten zeigt die Folge: Strategy, die japanische Metaplanet und der Uran-Halter Yellow Cake würden aus dem MSCI ACWI IMI fliegen. Es ist die zweite Runde. Im Januar hatte MSCI nach ähnlicher Prüfung noch die Finger von Strategy gelassen und nur die Tür für andere Treasury-Firmen offen gehalten. Jetzt zieht der Anbieter die Schrauben an.
Saylors offener Brief
Saylor und CEO Phong Le antworteten am Montag mit einem offenen Brief. Die Regel sei "diskriminierend, willkürlich und fehlgeleitet", MSCI solle sie zurückziehen. Der Vorstoß sei ein Vorwand, um Bitcoin-Unternehmen gezielt auszusortieren. Saylor ruft Investoren auf, bis zum 30. September eigene Stellungnahmen einzureichen.
Der Ton ist kämpferisch, das Kalkül dahinter nüchtern: Ein Index-Rauswurf zwingt passive Fonds, ihre MSTR-Position abzustoßen — unabhängig vom Kurs, allein weil das Papier aus der Benchmark fällt.
Das Abflussrisiko
JPMorgan beziffert diesen Zwangsverkauf auf 2,8 Milliarden Dollar, sollte allein MSCI Strategy streichen. Ziehen andere Indexanbieter nach, könnten daraus bis zu 8,8 Milliarden Dollar werden. MSCIs Benchmarks steuern weltweit Billionen an passivem Kapital, das keiner aktiven Kursmeinung folgt, sondern stur den Index nachbildet. Für eine Aktie, die ihren Aufschlag zum Buchwert braucht, um über neue Kapitalrunden weiter Bitcoin zu kaufen, ist das mehr als ein technisches Ärgernis. Schrumpft die Prämie, stockt Saylors Kauf-Maschine.
Für den Bitcoin-Kurs bleibt die Sache vorerst ein Überhang, kein Auslöser. Die Konsultation läuft, entschieden wird Mitte Oktober, umgesetzt frühestens im Dezember. Bis dahin handelt der Markt eine Wahrscheinlichkeit, keinen Verkauf. Wer MSTR im Depot hat, sollte die Frist am 30. September und die MSCI-Entscheidung im Oktober im Kalender markieren: Dort entscheidet sich, ob aus dem Überhang echter Verkaufsdruck wird.