Nasdaq -1,88 %: Inflation und CoreWeave belasten KI-Aktien
Heiße US-Inflationsdaten schicken den Nasdaq 1,88 % ins Minus. CoreWeave bricht um 15 % ein, Anleger zweifeln an der KI-Finanzierung.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nasdaq fällt um 1,88 Prozent auf 26.692,87 Punkte, der stärkste Tagesverlust seit dem 23. Juli.
- Heiße US-Inflationsdaten stützen Wetten auf weitere Zinserhöhungen der Fed und belasten KI-Werte.
- CoreWeave bricht um rund 15 Prozent ein, weil Anleger an der Refinanzierung der Schulden zweifeln.
Wall Street erlebt einen Tag, an dem Inflation und Kreditsorgen zusammenfallen. Der Nasdaq verliert 1,88 Prozent, der S&P 500 gibt 1,11 Prozent auf 7.718,94 Punkte ab. Der Dow Jones bleibt mit minus 0,09 Prozent auf 51.621,48 Punkte nahezu stabil. Die Schwäche konzentriert sich damit auf Technologie.
Warum ein Zinsschritt die KI-Rally bremst
Auslöser sind die September-Verbraucherpreise, die höher ausfallen als erwartet. Wie Reuters meldet, legt die am Terminmarkt eingepreiste Chance auf eine Zinserhöhung noch in diesem Monat von rund 22 auf 37 Prozent zu. Teurer werdendes Geld trifft Branchen am stärksten, deren Gewinne erst in einigen Jahren erwartet werden. Genau dort steht die KI-Branche.
Die Zahlen aus den Sektoren zeigen das Muster. Technologie verliert im S&P 500 2,6 Prozent, Kommunikationsdienste 1,78 Prozent. Der Philadelphia-Halbleiterindex büßt 4,3 Prozent ein und schließt zum sechsten Mal in Folge im Minus. Oracle rutscht um 8,8 Prozent, Dell fällt nach einer Herabstufung von Barclays um 11,4 Prozent. Die Bank of America (BAC) verliert 4,8 Prozent, da sie 1,2 Milliarden US-Dollar für Geldwäsche-Strafen zurückstellt. Apple hält dagegen: plus 0,5 Prozent und erstmals ein Börsenwert über 5 Billionen US-Dollar.
Wenn Schulden teurer werden als das Wachstum
Dass der Tag für KI-Werte so hart ausfällt, liegt auch an CoreWeave. Der Cloud-Anbieter für KI-Rechenleistung verliert rund 15 Prozent und nachbörslich weitere 3,6 Prozent. Claudio Kummerfeld beschreibt bei Finanzmarktwelt unter Verweis auf Bloomberg, was am Kreditmarkt passiert: Eine 2032 fällige Anleihe, die erst vor vier Monaten zum Nennwert platziert wurde, handelt unter 78 Cent. Die Anleiherendite steigt auf etwa 15 Prozent. Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) preisen für fünf Jahre eine Pleitewahrscheinlichkeit von über 50 Prozent.
Gil Luria von D.A. Davidson bezeichnet CoreWeave als „Subprime-Tranche“ der KI-Branche. Für ihn gilt: Bei etwa 9 Prozent Zinsen war Fremdkapital noch tragbar, darüber zerstört Wachstum Wert. Das Management widerspricht. Firmenchef Michael Intrator schreibt intern, die Bilanz decke die Verpflichtungen mehr als ab, der Markt lese das Unternehmen falsch. Der Auftragsbestand sichere die Rückzahlung der besicherten Schulden und der Verbindlichkeiten der Muttergesellschaft.
Rekordhoch vor einer Woche, doch der Index hängt an wenigen Titeln
Der Rückschlag trifft einen Markt, der sich auf wenige Schultern stützt. Laut Reuters steht der S&P 500 seit Jahresbeginn bei rund 13 Prozent Plus, nachdem er in der Vorwoche ein Rekordhoch markiert hatte. Die mittlere Aktie im Index kommt dagegen nur auf etwa 4 Prozent. Fällt die Finanzierung der Rechenzentren aus, gerät der Haupttreiber ins Wanken.
Bereits an den Vortagen standen Chipwerte unter Druck. Neu ist die Verbindung aus Zinsangst und Kreditstress: Auch Anleihen von Galaxy Digital und Core Scientific verlieren laut Finanzmarktwelt an Wert.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert bei CoreWeave (CRWV) auf Tagesbasis einen bärischen Zustand, der Wochenzustand ist neutral. Für 1 Stunde und 4 Stunden liegen keine Daten vor. Die Aufnahme zeigt einen Kurs von 65,78 US-Dollar. Der Tageswert deckt sich mit dem Anleihebild: Der Abwärtsdruck ist kein Ausreißer eines einzelnen Handelstags, sondern hat sich über den Tag hinaus aufgebaut.