Ölpreis: Brent vor Wochenplus trotz IEA-Reserven

Brent bei 105 Dollar: Hormuz-Angriffe bremsen den Tankerverkehr, die IEA-Notreserven enttäuschen beim Diesel. Was Händler jetzt beachten.

Ölpreis: Brent vor Wochenplus trotz IEA-Reserven

Das Wichtigste in Kürze

  • Brent steuert auf ein Wochenplus zu und notiert bei rund 105 US-Dollar je Barrel.
  • Iranische Angriffe drücken den Tankerverkehr durch die Straße von Hormuz deutlich.
  • Die IEA-Reserven lindern den Engpass bei Diesel nur begrenzt, so die Marktreaktion.

Der Ölmarkt schließt die Woche mit einem Aufschlag ab, obwohl die Industrieländer ihre Notvorräte freigeben. Brent liegt bei 105,48 US-Dollar je Barrel, WTI bei 97,40 US-Dollar. Beide Sorten notieren unter ihren Wochenhochs, aber über dem Stand vom vergangenen Freitag.

Hormuz bleibt der Preistreiber, Lagerabbau in den USA kommt dazu

Wie Irina Slav bei OilPrice.com schreibt, stützen zwei Faktoren den Markt: die anhaltenden Angriffe Irans auf Tanker in der Meerenge und ein kräftiger Lagerabbau in den USA. Die Rohölbestände dort sanken in der Woche bis zum 9. Oktober um 8,56 Millionen Barrel.

Der Schiffsverkehr zeigt das Ausmaß der Störung. Kpler meldet für die Woche bis zum 13. Oktober einen Tagesdurchschnitt von 11,62 Millionen Barrel, die durch die Straße von Hormuz fließen. Normal sind nach dieser Rechnung 17,15 Millionen Barrel pro Tag, die Ströme liegen also rund ein Drittel darunter. Die Zahlen stammen aus einem Reuters-Bericht, den OilPrice.com zitiert.

Die Analysten von ING sehen im Preis eine erhebliche Risikoprämie für die Lage im Nahen Osten. Je länger der Durchfluss anhält, desto eher gebe der Markt davon wieder ab. Für einen vollständigen Abbau brauche es allerdings eine Einigung zwischen den USA und Iran.

Die IEA liefert, doch die Händler hatten mehr Diesel erwartet

Seit der Hormuz-Krise im März haben die IEA-Mitglieder nach Angaben von OilPrice.com rund 330 Millionen Barrel aus Notreserven freigegeben. Zugesagt waren 400 Millionen. Etwa 100 Millionen Barrel stehen noch aus. Die Agentur zieht nun mehr als 20 Millionen Barrel Diesel vor und beschleunigt die Restlieferungen.

Damit blieb die Maßnahme hinter den Erwartungen zurück. Im Gespräch waren bis zu 50 Millionen Barrel Diesel. Die europäischen Gasölpreise stiegen nach der Ankündigung, was auf enttäuschte Hoffnungen deutet. Diesel bleibt das Nadelöhr: Raffinerien im Nahen Osten fallen aus, und Russland liefert weniger Kraftstoff. Washington drängt auf mehr, denn die Dieselpreise liegen vor den US-Zwischenwahlen am 3. November nahe an Rekordständen.

Auch der Vorschlag von Präsident Trump, Sanktionen gegen einzelne Schattenflotten-Tanker zu lockern, hat den Markt kaum beeindruckt. ING bezweifelt, dass dadurch zusätzliche Tonnage frei wird, da diese Schiffe bereits fahren. Zudem gelten EU-Sanktionen weiter, was die Versicherung erschwert.

Was sagt das Momentum?

Das Momentum signalisiert für WTI ein gemischtes Bild. Auf der Stundenbasis (1h) und im Tageschart (1D) zeigt es einen neutralen Zustand. Im 4-Stunden-Chart und im Wochenchart (1W) steht es dagegen auf bullish. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist damit intakt, kurzfristig fehlt aber der Schwung.

Szenarien

Bleibt der Tankerverkehr durch Hormuz auf dem aktuellen Niveau von 11,62 Millionen Barrel täglich, spricht vieles für eine fortgesetzte Risikoprämie, und Brent bleibt in der Zone um 105 US-Dollar.

Kommt es dagegen zu einer Einigung zwischen den USA und Iran, könnte laut ING die Prämie weitgehend abschmelzen. Dann wäre ein Rückgang beider Sorten wahrscheinlich, WTI müsste die Marke von 97 US-Dollar verteidigen.

Für Händler heißt das: Nicht die Reservefreigaben bestimmen die Richtung, sondern die Nachrichten aus der Meerenge. Dieselengpässe bleiben ein Risiko für die Inflation.