Royal Mint Q1: Goldverkäufe +94 %, Silber +1.000 %
Royal Mint meldet Rekord-Quartal: Gold-Bullion +94 %, Silber-Käufe verzehnfacht. Nachfrageseite trotzt der Preisflaute, 2:1-Kauf-Verkauf-Ratio bei Silber.
Die britische Royal Mint hat ihr bisher umsatzstärkstes Geschäftsjahr geschlossen — und die Zahlen aus dem letzten Quartal lesen sich wie ein Gegenentwurf zur derzeitigen Preisflaute am Edelmetall-Tape. Zwischen Januar und März stiegen die kapitalertragsteuerbefreiten Goldverkäufe um 94 % gegenüber dem Vorjahresquartal, der Silber-Umsatz verzehnfachte sich (+1.000 %). Das gesamte Transaktionsvolumen auf royalmint.com legte um 130 % zu — ebenfalls ein Allzeit-Hoch.
Silber als Star des Quartals
Silber war zwischen Januar und März die treibende Kraft. Spannend ist aber die Rückseite der Medaille: Der Wert der an die Mint zurückverkauften Silberbestände stieg um 3.300 % — Investoren, die zu den Rekordständen Anfang des Jahres gekauft hatten, nahmen Gewinne mit. Trotzdem bleibt die Nachfrage netto bullish: Kunden kauften zwei Unzen Silber für jede zurückverkaufte Unze, wie die Mint mitteilt. Das ist das wichtigste Detail für Trader — nicht die Bruttoumsatzzahl, sondern das 2:1-Kauf-zu-Verkauf-Verhältnis, das auch unter Profitnahme nicht kippt.
Strukturelle Nachfrageverschiebung
Im gesamten Fiskaljahr 2025/26 wuchs die Royal-Mint-Kundenbasis um 49 %, rund 60 % aller Käufer waren komplett neu — und Q4 brachte mehr Neukunden als jedes andere Quartal in der Geschichte des Hauses. Stuart O'Reilly, Private Wealth Consultant der Mint, nennt das einen "fundamentalen Wandel" im Portfoliodenken: Edelmetalle würden zunehmend als Pflichthedge gegen Inflation und Aktienmarkt-Volatilität gesehen, nicht mehr als opportunistischer Trade.
Auffällig ist die digitale Komponente: DigiGold, das mehrwertsteuerfreie digitale Edelmetallprodukt der Mint, machte 54 % aller Transaktionen aus. Britische Privatanleger umgehen damit zwei Reibungspunkte — Lagerkosten und VAT auf Silber — und das senkt die Einstiegshürde dramatisch.
Was das für den Tape bedeutet
Die Mint räumt selbst ein, dass das Momentum am Spotmarkt seit Quartalsende nachgelassen hat — der Rückgang sei "Folge kurzfristiger Zinserwartungen". Der Punkt für Trader: Die Spot-Schwäche der letzten Wochen ist kein Nachfrage-Problem, sondern ein Yield-Problem. Solange Retail-Bullion-Flows auf diesem Niveau bleiben und die Royal Mint kein "plötzliches Umkippen der Kaufbereitschaft" meldet (sie meldet das Gegenteil), spricht die strukturelle Seite weiter für Long-Setups in XAU und XAG, sobald der Yield-Druck nachlässt.
Die Frage ist nicht, ob die Nachfrage da ist — sie ist da, und sie ist breiter geworden. Die Frage ist, ob der Real-Yield-Gegenwind im Juni weiter dreht. Ein softer CPI oder eine taubenhafte Warsh-Fed reicht, um diese aufgestaute Bullion-Nachfrage in einen Preis-Move zu überführen.