Samsung & TSMC: Rekordzahlen, Anleger zurückhaltend
TSMC steigert den September-Umsatz um 54,6 %, Samsung meldet 107,4 Bio. Won Gewinn. Warum die Börse trotz KI-Boom kühl bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Samsung verdient im Quartal mit 107,4 Billionen Won so viel wie nie, die Aktie dreht dennoch ins Minus.
- TSMC liegt im September 54,6 Prozent über dem Vorjahr und über den Quartalsschätzungen.
- Steigende Speicherpreise stützen die Branche, doch Anleger trauen dem Zyklus nicht.
Rekord ist an der Börse nicht mehr genug. Das zeigt dieser Donnerstag in Asien: Samsung Electronics schreibt den höchsten Quartalsgewinn der Firmengeschichte, die Aktie gibt in Seoul trotzdem nach, zeitweise um 2,1 Prozent. Der Grund liegt in den Erwartungen, die zuvor noch höher lagen.
Wenn der Rekord nur die halbe Miete ist
Samsung beziffert den vorläufigen operativen Gewinn für das Septemberquartal auf 107,4 Billionen Won, rund 80,1 Milliarden US-Dollar. Vor einem Jahr war es nur ein Neuntel davon. Den Umsatz gibt der Konzern mit 195 Billionen Won an. Laut Finanzmarktwelt, die sich auf Bloomberg stützt, lagen Gewinn wie Umsatz unter dem Analystenschnitt. Josh Gilbert von eToro fasst die Lage so zusammen, der KI-Handel sei anspruchsvoll geworden.
Der Blick auf die Sparten erklärt einen Teil der Lücke: Analysten rechnen für das Chipgeschäft mit etwa 110 Billionen Won Betriebsgewinn, während die Elektronik-Sparte rote Zahlen schreiben dürfte. Den kompletten Abschluss legt Samsung am 29. Oktober vor. Bis dahin bleibt die Aktie rund ein Viertel unter dem Juni-Hoch, selbst nach den Juli-Rekorden.
Speicher ist der Engpass der KI-Welle
Warum die Gewinne so stark steigen, zeigt die Preisseite. Counterpoint Research erwartet für DRAM im dritten Quartal nun 10 bis 20 Prozent Aufschlag zum Vorquartal; zuvor standen 5 bis 10 Prozent im Raum. Abnehmer ziehen Käufe vor. Für kommendes Jahr sieht die Citigroup bei 12-Layer-HBM4, dem Hochleistungsspeicher für Nvidia- und AMD-Beschleuniger, ein mögliches Preisplus von 100 bis 150 Prozent. Südkoreas Chipausfuhr hat sich im September zudem mehr als verdreifacht.
AMD-Chefin Lisa Su nutzte ihren Besuch in Seoul für ein klares Signal: Die Auslieferung von HBM4-Systemen läuft an, die Versorgung war bisher knapp, die Partner sollen schneller liefern. Dass Samsung bei HBM gegenüber SK Hynix aufholt, stützt die Hoffnung auf weitere Marktanteile – und genau deshalb bauen beide Hersteller Kapazität aus, was Skeptiker an frühere Boom-und-Bust-Phasen erinnert.
TSMC liefert, wo andere enttäuschen
Beim Auftragsfertiger fällt das Urteil freundlicher aus. Für das dritte Quartal ergibt sich aus den Monatsmeldungen ein Umsatz von etwa 1,49 Billionen Taiwan-Dollar, die Bloomberg-Schätzung lag bei 1,46 Billionen. Der September selbst bringt 511,86 Milliarden Taiwan-Dollar, minus 0,6 Prozent zum August, aber plus 54,6 Prozent zum Vorjahr. Über neun Monate wächst TSMC um 41,1 Prozent auf 3.898,73 Milliarden Taiwan-Dollar.
Was sagt das Momentum?
Unsere Aufnahme von heute Morgen sieht TSMC (TSM) bei 472,20 US-Dollar. Das Momentum signalisiert im Tagesrahmen (1D) ein bullisches Regime, im Wochenrahmen (1W) ebenfalls. Für 1h und 4h gibt es bei Aktien keine Daten. Der übergeordnete Trend ist damit intakt.
Szenarien
Bestätigt Samsung am 29. Oktober einen Chipgewinn nahe 110 Billionen Won, könnte das die Zweifel am Speicherzyklus dämpfen.
Reichen auch dann Rekordzahlen nicht für Kursgewinne, bleibt der Abstand von rund 25 Prozent zum Juni-Hoch bestehen, und der Markt prämiert erst höhere Erwartungen als Rekorde.
Gerät dagegen die Schuldenfinanzierung des KI-Ausbaus unter Druck, würden Bestellungen bei TSMC und den Speicherherstellern als Erstes spürbar leiden.