BIP-110: Saylor und Back gegen Bitcoins Ordinals-Filter

Der Soft-Fork BIP-110 soll Ordinals auf Bitcoin beschneiden. Saylor und Adam Back stellen sich gegen den Filter, bei unter einem Prozent Miner-Support.

BIP-110: Saylor und Back gegen Bitcoins Ordinals-Filter

Der zwölf Jahre alte Grabenkampf um Bitcoins Blockraum ist zurück. Im Zentrum steht BIP-110, ein Vorschlag, der nicht-finanzielle Daten auf der Blockchain für zwölf Monate beschneiden würde: faktisch ein Filter gegen Ordinals und Inscriptions. Michael Saylor und Blockstream-Mitgründer Adam Back haben sich am Wochenende klar dagegen positioniert. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 63.845 Dollar bleibt der Streit vorerst ein Politikum, kein Kurstreiber. Er berührt aber den Kern von Bitcoins Gebührenökonomie.

Was BIP-110 vorsieht

Der Vorschlag zieht die Grenzen für OP_RETURN und andere datentragende Methoden enger und soll den Fokus der Kette zurück auf Zahlungen lenken. Aktiviert würde er über einen User-Activated Soft Fork: Nodes erzwingen die Regel, unabhängig davon, ob die Miner mitziehen. Die Signalschwelle liegt bei 55 Prozent der Miner statt der traditionellen 95 Prozent. Das mandatorische Signalfenster fällt auf etwa Block 961.632, projiziert auf Anfang August; die Aktivierung wäre um Block 965.664 nahe dem 1. September angesetzt.

Nur läuft die Realität dem Zeitplan davon. Die Miner-Unterstützung liegt unter einem Prozent, die Node-Adoption im niedrigen einstelligen Bereich, getragen fast ausschließlich von der alternativen Implementierung Bitcoin Knots.

Warum Saylor und Back Nein sagen

Saylor erklärte, es gebe "110 Dinge, die für Bitcoin gefährlicher sind als Spam", und Bitcoin habe schlicht "kein Spam-Problem". Sein Einwand ist ökonomisch: BIP-110 würde gebührenzahlende Transaktionen nachträglich für ungültig erklären, ein Eingriff, der die Neutralität des Protokolls untergräbt. Adam Back, dessen Hashcash-Design in Satoshis Whitepaper zitiert wird, formulierte es knapper: Bitcoin sage zu diesem Ansinnen "respektvoll nein".

Dahinter steht die alte Frage, wer über Bitcoins Regeln bestimmt. Ein UASF mit 55-Prozent-Schwelle und ohne breite Node-Basis trägt das Risiko einer Kettenspaltung, genau jenes Szenario, das die Blocksize-Kriege 2017 hinterlassen haben.

Die Marktseite

Für Trader ist die Botschaft zunächst beruhigend: Mit nahezu null Miner-Rückhalt ist eine erzwungene Aktivierung unwahrscheinlich, das Split-Risiko damit gering. Wichtiger ist die strukturelle Ebene. Inscriptions und Datentransaktionen füllen nach dem Halving einen wachsenden Teil der Miner-Einnahmen. Ein Filter würde diese Nachfrage abschneiden und den Gebührenmarkt ausdünnen, schlecht für die langfristige Sicherheitsökonomie der Kette. Dass die prominentesten Bitcoin-Bullen den Vorschlag abräumen, hält den Fee-Markt intakt. Der eigentliche Test kommt Anfang August, wenn das Signalfenster zeigt, wie isoliert die Knots-Fraktion wirklich ist.