Strategy verkauft 3.588 Bitcoin: Never-Sell-Ära endet
Strategy verkauft 3.588 BTC für 216 Mio. Dollar, um Vorzugsdividenden zu zahlen. Was der Bruch der Never-Sell-Doktrin für den Bitcoin-Markt bedeutet.
Strategy hat am 6. Juli per Filing den Verkauf von 3.588 Bitcoin im Gegenwert von 216 Millionen Dollar gemeldet — abgewickelt zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli in zwei Tranchen: erst 1.363 BTC für 80,8 Millionen, dann 2.225 BTC für 135,2 Millionen Dollar. Der Durchschnittspreis liegt bei rund 60.200 Dollar je Coin. Der Erlös bedient die Dividenden auf die Vorzugsaktien und füllt die Dollar-Reserve auf, die zum 5. Juli bei 2,55 Milliarden Dollar steht.
Vom Tabubruch zur Routine
Die Zahl ist vor allem im Kontext brisant. Ende Mai hatte Strategy erstmals seit 2022 Bitcoin verkauft — damals 32 Stück für rund 2,5 Millionen Dollar, ein symbolischer Betrag, der trotzdem für erhebliche Unruhe sorgte. Vergangene Woche stellte das Unternehmen sein neues Bitcoin-Monetarisierungsprogramm vor, jetzt folgt die erste große Anwendung: Der Juli-Verkauf fällt mehr als 100-mal so groß aus wie der im Mai. Die Never-Sell-Doktrin, über Jahre Saylors Markenkern, ist damit offiziell aktivem Kapitalmanagement gewichen. Bitcoin ist für Strategy nicht mehr nur Reserveasset, sondern Liquiditätsquelle für laufende Verpflichtungen.
Der Bestand bleibt mit 843.775 BTC — rund 4 Prozent des Gesamtangebots — mit Abstand der größte aller börsennotierten Unternehmen.
Bernstein: Strategy stützt den Markt trotzdem
Die Marktreaktion fiel gelassen aus. Bitcoin notiert bei rund 62.000 Dollar, 54 Prozent unter dem Oktober-Hoch von 125.000 Dollar, nach einem Juni mit minus 20 Prozent — dem schwächsten Monat seit vier Jahren. Bernstein-Analyst Gautam Chhugani stuft Strategy trotz des Verkaufs als Stabilisator ein: Das Unternehmen sei 2026 weiterhin Netto-Käufer, während die großen US-Miner im Zuge ihres AI-Pivots netto verkauften. Die Zuflüsse aus Treasury-Firmen und ETFs summieren sich dieses Jahr auf 10 Milliarden Dollar — nach 60 Milliarden im Vorjahr. Die Spot-ETFs allein verloren 5,5 Milliarden Dollar; dass die Netto-Bilanz positiv bleibt, liegt maßgeblich an Strategy.
Was das für Trader heißt
Kurzfristig hat der Markt die 216 Millionen problemlos absorbiert — der Verkauf lief über eine Woche verteilt, ohne sichtbaren Abdruck im Orderbuch. Strukturell entsteht aber ein neuer Mechanismus: Solange die Vorzugsdividenden aus BTC-Verkäufen finanziert werden, produziert jede längere Schwächephase wiederkehrenden Verkaufsdruck vom größten Halter des Marktes. Der alte Reflex, Strategy als bedingungslosen Käufer einzupreisen, funktioniert nicht mehr. Jetzt zählt, ob der Cash-Puffer von 2,55 Milliarden Dollar reicht, um die nächste Dividendenrunde ohne weitere Verkäufe zu überbrücken — und ob Chhugani recht behält, dass dieser Bärenmarkt milder bleibt als der letzte.