Waller: Mehr Zinsschritte, US-Rendite auf 24-Jahreshoch
Fed-Gouverneur Waller sieht weiteren Zinsbedarf, US-Renditen steigen auf 5,366 Prozent. Was das für EUR/USD bei 1,1181 bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Fed-Gouverneur Waller stellt weitere Zinsanhebungen in Aussicht, ohne einen Termin zu nennen.
- Am US-Anleihemarkt erreichen zehn- und 30-jährige Renditen den höchsten Stand seit 2002.
- EUR/USD steht bei 1,1181, das Momentum zeigt in allen Zeitrahmen nach unten.
Wer Euro gegen Dollar handelt, schaut derzeit auf zwei Zahlen: 5,366 Prozent Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen und rund 20 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Anhebung im Oktober. Beide stützen die US-Währung, während Paris die Eurozone mit steigenden Finanzierungskosten belastet.
Der Dollar profitiert von einer Fed ohne Fahrplan
Die Zinsfantasie am Devisenmarkt dreht sich um die Frage, wie schnell die Fed weiter strafft. Laut investingLive hält Gouverneur Christopher Waller in Istanbul zusätzliche Schritte für wahrscheinlich, will sie aber nicht an jede Sitzung binden. Ein Aussetzen am 27. und 28. Oktober ist deshalb realistisch, und genau das haben die Märkte bereits eingepreist: Die Reaktion blieb ruhig.
Mittelfristig sehen Händler laut investingLive mindestens drei weitere Anhebungen bis Ende 2027. Die Zielspanne läge dann bei 4,50 bis 4,75 Prozent. Waller begründet den Kurs mit einer Teuerung, die seit etwa fünfeinhalb Jahren über 2 Prozent liegt, mit dem Energiepreisschock durch den Iran-Konflikt und mit der KI-getriebenen Investitionsnachfrage. Den US-Jobmarkt nennt er solide, trotz des schwächeren Septembers. Die nächsten Verbraucherpreisdaten kommen kommende Woche.
Warum der Anleihemarkt den Takt vorgibt
Bei den Renditen liegt die eigentliche Dynamik. Finanzmarktwelt meldet für Mittwoch 5,366 Prozent bei zehn und 5,725 Prozent bei 30 Jahren Laufzeit, jeweils ein Hoch seit 2002. Redakteur Claudio Kummerfeld sieht Zölle, den Iran-Krieg, die Konkurrenz durch KI-Konzerne als Anleiheemittenten und die Staatsverschuldung als Treiber.
Die Wall Street hält dagegen. Stefan Jäger fasst bei Finanzmarktwelt eine Bloomberg-Umfrage zusammen: Sechs Großbanken rechnen bis Dezember mit niedrigeren Renditen, zwischen 4,75 Prozent bei Goldman Sachs und 5,05 Prozent bei JPMorgan. Barclays-Stratege Anshul Pradhan sieht dagegen keinen Auslöser, der die Marke von 5 Prozent bei robuster US-Wirtschaft brechen müsste. Für die 30-jährige Rendite hält Barclays 6 Prozent für möglich.
Auf der anderen Seite des Atlantiks verschärft Frankreich das Bild. Markus Fugmann beschreibt bei Finanzmarktwelt anziehende französische Zinsen und verweist auf die höchste Schuldenquote der Eurozone. Für den Euro ist das ein zusätzlicher Abschlag, der unabhängig von der Fed wirkt.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert für EUR/USD in jedem der vier Zeitrahmen ein bärisches Bild: 1 Stunde, 4 Stunden, Tag und Woche. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lag der Kurs bei 1,1181. Kurz- und langfristige Signale stimmen damit überein. Das beschreibt den Zustand und ist keine Handelsempfehlung.
Szenarien
Bleibt die Rendite zehnjähriger US-Anleihen über 5,3 Prozent und überrascht der Preisbericht nach oben, dürfte die Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Anhebung über die aktuell rund 20 Prozent steigen. EUR/USD bliebe dann unter Druck.
Fällt die Teuerung schwächer aus und erholen sich Anleihekurse, wie es die Banken bis Jahresende erwarten, verliert der Zinsvorteil des Dollars an Gewicht. Von 1,1181 aus wäre eine Gegenbewegung des Euro denkbar.
Ein dritter Faktor bleibt Frankreich: Klettern die Renditen dort weiter, belastet das den Euro auch ohne neue Signale aus Washington.