Warsh ohne Zinssignal: Oktober-Hike-Wetten sinken
Fed-Chef Warsh schweigt zu Zinsen, die Wetten auf eine Erhöhung im Oktober fallen unter 15 Prozent. Was das für EUR/USD heißt.
Das Wichtigste in Kürze
- Fed-Chef Warsh gibt in Bangkok kein Zinssignal; die Wetten auf eine Oktober-Erhöhung sinken.
- Der Markt preist für den 27./28. Oktober nur noch unter 15 Prozent Erhöhungschance ein.
- Parallel wächst der Streit zwischen Fed und Finanzministerium um Anleihekäufe und Staatsfinanzen.
Kein Wort zu Zinsen, und der Markt atmet auf: Nach dem Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh fiel die eingepreiste Chance auf eine Erhöhung am 27./28. Oktober von rund 27 auf unter 15 Prozent. EUR/USD steht bei 1,126 US-Dollar. Die eigentliche Unruhe liegt aber woanders.
Ein Auftritt ohne Botschaft
Warsh diskutierte am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok. Außer dem Bekenntnis zur Preisstabilität ließ er sich nichts entlocken, weder zum Zinspfad noch zur US-Wirtschaft. Er erwähnte lediglich, dass die Fed vor rund einem Monat einen Teil ihrer lockeren Linie zurückgefahren hat.
Claudio Kummerfeld fasst bei Finanzmarktwelt (Quelle: Bloomberg) zusammen, dass die Börsen in Asien, den USA und Europa zeitweise anzogen. Ökonom Derek Tang von Monetary Policy Analytics sagt, Warsh habe erkennbar vermieden, irgendetwas „Hawkishes" zu äußern.
Zur Einordnung: Im September erhöhte die Fed erstmals seit 2023, einstimmig bei 19 Stimmen, und die Mehrheit rechnet mit einem weiteren Schritt bis Jahresende. Bangkok hat daran nichts geändert; es hat lediglich die Oktober-Wette abgeschwächt.
Der Dauerkonflikt: Inflationsbremse gegen Schuldenlast
Wichtiger für den Dollar als ein einzelner Auftritt ist eine strukturelle Frage, auf die Stefan Jäger bei Finanzmarktwelt hinweist. Hier stehen zwei Stellen gegeneinander. Die Fed bekämpft eine Teuerung, die wieder auf 3,7 Prozent gestiegen ist; ihr Leitzins liegt bei 3,75 bis 4 Prozent. Das Finanzministerium unter Scott Bessent will dagegen die monatlichen Rückkäufe von US-Staatsanleihen von zwei auf vier Milliarden Dollar verdoppeln und könnte zusätzlich auf rund eine Billion Dollar Guthaben zugreifen.
Der Druck kommt vom Anleihemarkt: Die Rendite 30-jähriger Treasuries sprang zeitweise auf 5,7 Prozent, und die Staatsverschuldung übersteigt wieder 120 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Bravos Research erinnert an die Kriegsjahre, als beide Institutionen die langen Renditen bei 2,5 Prozent festzurrten. Danach schoss die Inflation bis 1947 auf fast 20 Prozent; das Abkommen von 1951 stellte die Fed-Unabhängigkeit wieder her. Die zentrale Frage laut Artikel: Geht Preisstabilität vor Schuldenfinanzierung? Falls nicht, drohen finanzielle Repression, steigende Vermögenspreise und schleichender Kaufkraftverlust.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert für EUR/USD ein gemischtes Bild: Auf 1h und 4h steht der Zustand bullish, auf 1D und 1W bearish. Kurzfristig hat der Euro also Rückenwind, der übergeordnete Trend bleibt dagegen schwach.