Börsenwoche: Bankzahlen, US-Renditen und S&P 500 bei 8.000
Wochenausblick Aktien: Berichtssaison startet mit JPMorgan, US-Rendite bei 5,34 %, S&P 500 nahe 8.000. Was Anleger beachten.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Dienstag, 13. Oktober, eröffnen Großbanken wie JPMorgan die Bilanzsaison fürs dritte Quartal.
- Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt mit bis zu 5,34 Prozent, so viel wie seit 2002 nicht.
- Der S&P 500 liegt nahe 8.000 Punkten, doch nur wenige Schwergewichte tragen den Anstieg.
Zwei Kräfte ziehen in entgegengesetzte Richtungen: Rekordnahe Aktienindizes auf der einen, ein Zinsniveau auf 24-Jahres-Hoch auf der anderen Seite. Welche Seite in der kommenden Woche die Oberhand gewinnt, zeigt sich zuerst an den Zahlen der US-Banken.
Der Zins ist der eigentliche Taktgeber der Woche
Am Montag erreichte die Zehnjahresrendite in den USA 5,349 Prozent, berichtet HKCM. Allein in diesem Monat kamen 54 Basispunkte dazu. Nach Angaben von Finanzmarktwelt, die Bloomberg zitieren, treibt vor allem der Risikoaufschlag für lange Laufzeiten die Bewegung, die sogenannte Laufzeitprämie. Das Modell der New Yorker Fed beziffert sie auf 0,98 Prozentpunkte, den höchsten Wert seit 2014. Die Inflationserwartungen blieben dabei weitgehend ruhig.
Die Fed hob im September zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen an. Das Sitzungsprotokoll vom Mittwoch hält eine weitere Anhebung noch in diesem Jahr für möglich. Dagegen spricht der Arbeitsmarkt: Nur 29.000 neue Stellen im September deuten auf Abkühlung, weshalb HKCM eine Pause im Oktober für wahrscheinlich hält.
Anleger reagieren bereits. Geldmarktfonds nahmen in der Woche bis zum 7. Oktober 166,4 Milliarden Dollar ein, Aktienfonds lediglich 12,4 Milliarden. Der Analyst Phantom von HKCM erwartet das Renditehoch in den kommenden Tagen und sieht oberhalb von etwa 5,7 Prozent Risiken für diese Einschätzung.
Eine Rallye auf schmalem Fundament
Der Bullenmarkt im S&P 500 (SPX) wird am Montag vier Jahre alt, der Index gewann seit dem 12. Oktober 2022 insgesamt 117 Prozent. Beim Blick hinter die Kulisse zeigt sich ein Ungleichgewicht: Der Equal-Weight-Index, der alle Aktien gleich gewichtet, hinkt dem Leitindex um 52 Prozentpunkte hinterher. Seit den 1990er-Jahren gab es zu diesem Zeitpunkt keinen größeren Abstand, wie Bloomberg laut Finanzmarktwelt ausweist.
Den Löwenanteil steuert die KI-Fantasie bei. Nvidia (NVDA) legte seit dem Tief Ende 2022 um mehr als 1.900 Prozent zu und nähert sich einer Marktkapitalisierung von 6 Billionen Dollar. CFRA-Stratege Sam Stovall warnt, die Rallye sei im historischen Vergleich begrenzt. Ed Yardeni senkte zuletzt sein Jahresendziel für den S&P 500 von 8.400 auf 7.900 Punkte.
Dienstag bringt die erste Gewinnprobe
Die Banken liefern den Auftakt, JPMorgan an der Spitze. Der Markt erwartet, dass die Konzerne die Serie von sieben Quartalen mit zweistelligem Gewinnwachstum fortschreiben. Gelingt das, bleiben die Anleger laut Fidelity-Stratege Jurrien Timmer meist gelassen gegenüber den Risiken. Zeigt sich Schwäche, rücken die Bewertungen in den Fokus. Im November folgen zudem die US-Zwischenwahlen.
Was sagt das Momentum?
Das Momentum signalisiert für Nvidia, das Aushängeschild der KI-Rallye, auf Tagesbasis (1D) wie auf Wochenbasis (1W) einen bullischen Zustand. Der Trend ist damit intakt, sagt aber nichts darüber, wie die Aktie auf die Zahlen der Großbanken oder auf den Anleihemarkt reagiert.
Szenarien
Fällt die Zehnjahresrendite nach dem Hoch zurück, wie es HKCM erwartet, hätte der S&P 500 Raum für einen Sprung über 8.000 Punkte, gestützt von soliden Bankzahlen.
Klettert die Rendite dagegen in Richtung 5,7 Prozent, geraten Bewertungen unter Druck. Dann rückt die gesenkte Jahresendprognose von Ed Yardeni in den Blick: 7.900 statt zuvor 8.400 Punkte.
Bleibt die Rendite in der Spanne, entscheidet die Qualität der Gewinne. Enttäuschen die Banken, würde der Markt die dünne Breite der Rally schneller zum Thema machen.