Wintermute shortet Bitcoin: 146 Mio. gegen die Rallye

Market Maker Wintermute baut 146 Mio. Dollar Shorts gegen Bitcoin auf und schickt 60 Mio. an Börsen. Fehlt der Spot-Kaufdruck? Was Trader jetzt beachten.

Wintermute shortet Bitcoin: 146 Mio. gegen die Rallye

Ein Market Maker gegen den Markt

Wintermute gehört zu den größten Market Makern im Krypto-Handel. Ausgerechnet dieses Haus stellt sich jetzt gegen die stärkste Bitcoin-Woche des Jahres. Nach Daten des X-Accounts Onchain Lens baute Wintermute über die vergangenen Tage auf Hyperliquid mehrere Short-Positionen im Wert von 146 Millionen Dollar gegen Bitcoin und weitere Coins auf.

Parallel schickte das Handelshaus Bitcoin und Solana im Gegenwert von rund 60 Millionen Dollar an Binance und Coinbase. Das belegen Daten von Arkham Intelligence. Zuflüsse auf Handelsbörsen gelten als Frühindikator für Verkäufe: Wer halten will, lässt die Coins im Cold Storage.

Absicherung oder echte Skepsis

Warum Wintermute so positioniert ist, bleibt offen. Market Maker fahren regelmäßig Shorts, um eigene Bestände abzusichern. Der Aufbau muss also keine gerichtete Wette gegen den Markt sein. Bislang zahlt sich die Positionierung ohnehin nicht aus: Das Haus sitzt im Minus, weil Bitcoin bei 76.450 Dollar notiert und die Rallye vorerst hält.

Das Timing ist heikel. Bitcoin legte in dieser Woche den stärksten Kurssprung des Jahres hin, Ethereum sprang binnen zwei Tagen um fast 30 Prozent. Nach einer solchen Bewegung ist die Versuchung groß, Gewinne mitzunehmen. Genau darauf zielt eine Short-Positionierung wie die von Wintermute. Allein ist das Haus mit der Skepsis nicht: Die Long/Short-Ratio bei Bitcoin kippte in den vergangenen 24 Stunden leicht zugunsten der Bären.

Der Spot-Markt trägt nicht

Genau hier liegt der wunde Punkt. Die Rallye lief maßgeblich über die höheren Anleiherückkäufe des US-Finanzministeriums und über den Terminmarkt, nicht über echte Spot-Nachfrage. Fehlt der Käufer am Kassamarkt, hängt der Kurs an der Stimmung im Derivate-Buch. Kippt die, fällt der Boden schnell weg. Ein Analyst sieht Bitcoin im Zweifel zurück auf das Ausgangsniveau von 65.000 Dollar, ein Rücksetzer von rund 15 Prozent.

Für Trader zählt die Asymmetrie: Ein einzelner Market Maker im Minus ist kein Verkaufssignal. Die Kombination aus Börsen-Zuflüssen, kippender Long/Short-Ratio und dünner Spot-Nachfrage beschreibt eine Rallye auf tönernen Füßen. Diese Woche liefert den Test. Mit den US-Kerninflationsdaten und dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole stehen zwei Makro-Termine an, die das Derivate-Buch in beide Richtungen aufreißen können. Wer die Rallye long fährt, sollte die Börsen-Zuflüsse und die Positionierung der großen Häuser im Blick behalten.